Alba verliert 61:79 gegen Real : Mehr Gigant als Diva

Alba Berlin hält in der Basketball-Euroleague gegen die spanische Spitzenmannschaft von Real Madrid zunächst mit, verliert am Ende aber deutlich 61:79.

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Berlins Reggie Redding (M) und Madrids Ioannis Bourousis (2.v.l.) kämpfen um den Ball.
Berlins Reggie Redding (M) und Madrids Ioannis Bourousis (2.v.l.) kämpfen um den Ball.Foto: dpa

Sasa Obradovic tänzelte an der Seite hin und her, Alba Berlins Coach klatschte aufmunternd in die Hände. Diesen Angriff von Real Madrid mussten seine Spieler doch stoppen, wenn es mit der Sensation doch noch klappen sollte. Der Kopf des Serben zuckte nach links, dann nach rechts, als Madrids Jaycee Carroll den Ball fing, verzerrte sich Obradovics Mund bereits zu einer Grimasse. Als Reals Dreierspezialist Carroll – Spitzname „Boom Boom“ - geworfen und routinemäßig getroffen hatte, ließ Obradovic den Kopf sinken und vergrub die Hände in den Hosentaschen. Eine Halbzeit hielten die Berliner Basketballer am Donnerstagabend gegen das spanische Spitzenteam gut mit, waren am Ende aber doch beinahe chancenlos. Das 61:79 (34:36) bedeutete die zweite Niederlage am dritten Spieltag der Euroleague-Zwischenrunde. „Wir waren mehr als eine Halbzeit auf Augenhöhe“, sagte Albas Akeem Vargas. „Aber Reals Dreier im dritten Viertel haben uns das Genick gebrochen. Da haben wir es hergeschenkt. Wir haben das Spiel selber weggeben.“ Die Berliner liegen in der Tabelle der Gruppe E nun auf dem vierten Platz.

Albas Manager Marco Baldi hatte vor dem Spiel als Devise ausgegeben, dass sich die Gäste in der Arena am Ostbahnhof „von der ersten Sekunde an unwohl fühlen“ müssten. Nur so ließe sich der Angriffswirbel des wohl spielstärksten Teams Europas stoppen. Zudem hoffte man bei den Berlinern, die Divenhaftigkeit der Real-Stars könne zum Vorschein kommen, wenn man Profis wie dem spanischen Nationalspieler Rudy Fernandez mit gesunder Härte den Spaß verderben könnte. Dieses Vorhaben gelang zunächst recht gut: Cliff Hammonds, Albas Spaßbremse vom Dienst, kümmerte sich humorlos um Fernandez, der bis zur Halbzeitpause keine Punkte aus dem Feld erzielte.

Real zeigte immer wieder kurz seine große Klasse

Der 31-malige Spanische Meister kam nur selten dazu, über das Feld zu fliegen oder zu zaubern. Auch die Berliner glänzten nicht grade, rackerten aber verbissen. Mit dem Zwischenstand von 15:16 nach dem ersten Viertel konnten die 9066 Zuschauer gut leben. Weniger frohgemut stimmte die Alba-Fans ein Unsportliches Foul von Sergio Rodriguez, der den Berliner Marko Banic rüde zu Boden schickte. Das Ergebnis: ein Unsportliches Foul gegen Rodriguez, die Bildung eines mittelgroßen Rudels aus Spielern beider Teams – und anhaltende Pfiffe gegen Real. Zwischendurch zeigte der Vorjahresfinalist immer wieder kurz seine große Klasse und erzielte innerhalb kürzester Zeit drei oder vier Körbe, zur Pause lag Alba aber nur mit zwei Punkten zurück.

Zwei Wochen nach dem 80:70-Sieg gegen Reals Dauerrivalen FC Barcelona schien die zweite Sensation von Sasa Obradovics Team gegen einen spanischen Giganten möglich. Die Art des Spiels – ein zähes Ringen – kam Alba jedenfalls entgegen.  Mitte des dritten Viertels waren die Berliner allerdings ein paar Minuten nicht ganz auf der Höhe: Das kurze Nickerchen genügte Real, um fünf Dreier hintereinander zu erzielen und sich auf elf Punkte abzusetzen. Jetzt zauberten die Spanier doch noch, fast in jedem Angriff landete der Ball im Korb der Berliner. Hinzu kamen einige seltsame Schiedsrichterentscheidungen, die dem grimmigen Obradovic nur noch ein höhnisches Lächeln entlockten. Für die Gastgeber hielten Alex Renfroe (13 Punkte) und Jamel McLean (12) und noch am besten dagegen. Reggie Redding hingegen zeigte zum wiederholten Mal in dieser Saison, dass er gegen Teams der europäischen Spitzenklasse oft deutlich schlechter aussieht als in der Basketball-Bundesliga. Nur ganz selten fand Redding den Weg zum Korb, am Ende hatte er sechs Punkte erzielt – etliche Angriffsmöglichkeiten der Berliner verschludert. Auch Leon Radosevic, nach Rückenbeschwerden in den Kader zurückgekehrt war mit gerade einmal sechs Zählern kein Faktor in der Offensive.

 

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