Alba : Viel Herz für wenig Punkte

Wieso Alba gegen Tau doch nicht gewann.

Helen Ruwald

Auch ohne Kontaktlinsen behielt Rashad Wright den Durchblick. Eine Augenentzündung hatte den Einsatz des Basketballprofis von Alba Berlin vor einer Woche in Düsseldorf verhindert. Weil Wright keine Spezialbrille hat und die Linsen auch Mitte der Woche noch wie ein Fremdkörper wirkten, lief er im Europaligaspiel gegen Tau Vitoria ohne alles auf – und begeisterte in der packenden Schlussphase. Elf seiner 17 Punkte steuerte er im letzten Viertel bei, unaufhörlich trieb er den Außenseiter Alba nach vorn. Drei Ballgewinne in Folge gelangen ihm, an zwei davon schlossen sich Schnellangriffe und Körbe des Amerikaners an, der die Fans zum Toben brachte.

Die große Überraschung blieb zwar aus, doch nach der 68:73-Niederlage lobte Geschäftsführer Marco Baldi: „Wir haben mit viel Herz gespielt. Das hat man am besten an Rashad gesehen. Er hat sich gegen alles gestemmt.“ Mehrfach kämpften sich die Berliner, die das Hinspiel mit 41 Punkten Unterschied verloren hatten, nach hohen Rückständen wieder ins Spiel. „Wir haben Tau zum Nachdenken gebracht und hatten es in der Hand“, sagt Baldi. Ob Rebounds, Distanzwürfe oder Freiwürfe: Die Statistik zeigt kaum Unterschiede zwischen dem regelmäßigen Final-Four-Teilnehmer und dem Europaliganeuling, der den Spaniern weniger Punkte zugestand als jeder andere Europaligist in dieser Saison.

Es besteht Hoffnung auf Leistungsträger Julius Jenkins

„In den letzten zwei Minuten haben wir einige Fehler gemacht und sind bestraft worden“, sagte Trainer Luka Pavicevic. Tau profitierte von Berliner Fehlwürfen und Fouls, in der Schlussphase verwandelten die Gäste vier Freiwürfe. Und sie demonstrierten immer wieder ihre individuelle Stärke. „Die Konzentrationsfähigkeit von Igor Rakocevic ist sensationell. Der ist nie aus der Ruhe zu bringen“, sagt Baldi über Taus besten Mann. Obwohl er manch Positives bei Alba gesehen hat, weiß der Geschäftsführer, „dass man aus einem Sieg einen ganz anderen Schwung mitnehmen könnte. Jetzt geht die Kurve runter, das ist normal.“

Ein Überraschungssieg hätte die Berliner durch das Bundesligaspiel am Montag gegen Tübingen (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) getragen – und weiter zum entscheidenden Europaligaspiel in Badalona. „Entweder wir gewinnen dort oder wir sind raus“, sagt Rashad Wright. Alba muss sich vom fünften auf den vierten Platz der Gruppe C kämpfen, um ins Achtelfinale einzuziehen. Immerhin besteht Hoffnung, dass am 7. Januar in Spanien Leistungsträger Julius Jenkins wieder fit ist.

Sportdirektor Henning Harnisch träumt davon, „dass wir in Badalona eine Auswärtsserie starten“. Eine anspruchsvolle Aufgabe. Auswärts hat Alba in der Europaliga zuletzt 16 Mal in Folge verloren. Der letzte Sieg gelang am 31. Oktober 2002 bei AEK Athen.

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