Alba vs. Bayern : München ist besser für die Karriere

Die vier Ex-Berliner des FC Bayern gehen am Sonntagabend gelassen in das brisante Spiel bei Alba Berlin. "Ich habe mich damit noch nicht beschäftigt", sagt Heiko Schaffartzik.

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Zwei Ex-Berliner in München: Bayern-Trainer Pesic und Schaffartzik.
Zwei Ex-Berliner in München: Bayern-Trainer Pesic und Schaffartzik.Foto: dpa

Heiko Schaffartzik sitzt am Freitagabend mit nacktem Oberkörper in der Umkleidekabine und beantwortet eine Journalistenfrage, als unauffällig von unten links eine Hand zu ihm hinüberwandert. Es ist eine ziemlich große Hand. Sie will ihn in die Wade zwicken.

Heiko Schaffartzik versucht, die Hand zu ignorieren. „Für mich ist das etwas Besonderes, aber ich habe mich damit noch nicht beschäftigt“, sagt der Basketball-Nationalspieler über das kommende Bundesligaspiel. Gleichzeitig versucht er mit links, die lästige Hand abzuwehren. Sie gehört Yassin Idbihi, seinem Freund und Teamkollegen, neben dem er auch in den vergangenen Spielzeiten in der Berliner Schützenstraße, im Trainingszentrum von Alba, meistens gesessen hatte. Einmal, als Alba überraschend die Vertragsverhandlungen mit Idbihi stoppte, legte sich Heiko Schaffartzik sogar mit dem Berliner Management an. Nun sitzen die beiden wieder nebeneinander, in der Umkleidekabine des FC Bayern Basketball.

Wenn am Sonntag Alba Berlin in der Arena am Ostbahnhof (15 Uhr, kostenpflichtiger Livestream bei sport1.de) in der Bundesliga den ungeschlagenen Tabellenführer FC Bayern empfängt, kehren erstmals gleich vier Spieler zurück, die in der vergangenen Saison noch für Alba aufliefen: Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Nihad Djedovic und Deon Thompson. Ihr Wechsel im Sommer scheint bereits Ewigkeiten zurückzuliegen, wenn man Nihad Djedovic zuhört. „Das Spiel in Berlin wird in mir keine besonderen Emotionen hervorrufen“, sagt der Flügelspieler, „ich spiele für Bayern München, ich werde für dieses Trikot siegen, nur das ist in meinem Kopf.“

In den Köpfen der Berliner Fans aber dürfte der Wechsel der vier Spieler stecken, der für weitere Missstimmung zwischen den beiden Vereinen gesorgt hatte. Mangelnde Kreativität beim Spielersichten hatte der Berliner Geschäftsführer Marco Baldi dem FC Bayern vorgeworfen, der finanzkräftigste Klub der Liga betreibe ein Wettrüsten. Ein Beigeschmack hatten die Wechsel auch, weil Alba im Viertelfinale mit 0:3 ausschied und dann vier Spieler zum Sieger wechselten. Haben sie sich womöglich zurückgehalten?

Heiko Schaffartzik betont, dass er erst ein Vertragsangebot von Bayern München hatte, nachdem er seinen Vertrag mit Alba Berlin auf eigenes Betreiben aufgelöst hatte. „Das Angebot kam relativ spät, erst nachdem das mit Alba geregelt war“, sagt Schaffartzik, „danach gab es verschieden Optionen und da war auch die Option FC Bayern dabei.“ Allerdings hatte es bereits während der Saison Gerüchte gegeben, er werde nach München wechseln. Nun sagt er: „Alba war teilweise eine sehr schöne Zeit, es hätte sportlich erfolgreicher laufen können, ich glaube, das hätten wir uns alle gewünscht.“ In seinem ersten Jahr trennten ihn im fünften Finale in Bamberg immerhin nur eine Minute vom Meistertitel.

„Ich bin gegangen, weil Bayern München besser ist für mich – besser für meine Karriere und auch finanziell besser“, sagt Nihad Djedovic, „Svetislav Pesic ist ein Trainer, der gut mit jungen Spielern arbeiten kann.“ Tatsächlich hat der Bosnier in München bereits auffällige sportliche Fortschritte gemacht, meistens steht er in der tief besetzten und ehrgeizigen Mannschaft in der Startformation.

„Wir wollen Titel gewinnen am Ende der Saison“, sagt Trainer Svetislav Pesic. Sein Team, das als Favorit ins Spiel geht, erwartet eine hitzige Stimmung. Albas Trainer Sasa Obradovic hat die Berliner Fans in der mit 14 500 Zuschauern ausverkauften Großarena aufgefordert, für Heimspielatmosphäre zu sorgen. Doch das kann Nihad Djedovic nicht schrecken. „Für uns ist das egal“, sagt der 23-Jährige, ich glaube, man spielt fünf gegen fünf auf dem Court, die 14.000 Zuschauer dürfen nicht spielen.“ Bayern-Trainer Svetislav Pesic hat Verständnis für das Ansinnen seines Berliner Kollegens. „Jeder Trainer wünscht sich eine zusätzliche Unterstützung durch das Publikum.“ Auch die kurze Ruhepause nach dem eindrucksvollen dritten Euroleague-Sieg gegen Malaga (82:68) am Freitagabend sieht der langjährige Alba-Trainer nicht als Problem. „Wir können so ein Spiel wie heute auch in Berlin zeigen“, sagt er, „die beste Vorbereitung fürs nächste Spiel ist, wenn du das letzte Spiel gewonnen hast.“

Weil Pesic in der Bundesliga allerdings auf einen seiner sieben Ausländer verzichten muss und Nihad Djedovic wieder fit ist, könnte Deon Thompson in Berlin nicht auf dem Spielbogen stehen. In München schrieb der US-Amerikaner bisher nur Schlagzeilen, weil er zu Saisonbeginn in eine Prügelei verwickelt worden ist. Zurzeit wird der US-Amerikaner nach einer Verletzung langsam herangeführt. Damit stünden nur drei ehemalige Berliner auf dem Spielfeld. An der Brisanz dieser Partie dürfte das nur wenig ändern.

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