Sport : Alba will mehr

Dem Pokalsieg soll der Meistertitel folgen

Helen Ruwald[Bamberg]

Albas Amerikaner Quadre Lollis sang gemeinsam mit Matej Mamic ein Liebeslied auf kroatisch, Sharrod Ford hielt sich zwar an einem Glas Orangensaft fest, probierte aber zumindest die obligatorische Siegerzigarre. Die Basketballprofis von Alba Berlin feierten am Sonntagabend in der Bamberger Innenstadt ihren Pokalsieg mit Sekt, Bier, Whisky und fünf weiblichen Fans vom Halbfinalisten Quakenbrück. Sie waren zufällig in die Party hineingeraten und wunderten sich über die singende Männerschar. Diese war mehrheitlich gegen den ursprünglichen Plan, abends noch die Heimfahrt anzutreten. Flugs wurde ein neues Hotel gesucht, ehe das Team zum Tanzen weiter durch die Nacht zog. Das Gefühl des 85:73 gegen den Deutschen Meister GHP Bamberg mit großartiger erster Halbzeit (51:25) „wäre im Bus verloren gegangen. Wir wollten den Augenblick verlängern“, sagt Teammanager Henning Harnisch.

Positive Gefühle könnten die Berliner, die am Montag gegen Oldenburg das erste Play-off-Viertelfinale bestreiten (18 Uhr, Max-Schmeling-Halle) in den kommenden Wochen noch häufiger genießen. Nach zwei Siegen gegen Bamberg innerhalb von einer Woche ist Alba mindestens zum ebenbürtigen Titelkandidaten geworden. Die erste Halbzeit im Pokalfinale sei Basketball „wie von einem anderen Stern“ gewesen, sagte Trainer Henrik Rödl, „besser geht es nicht.“ Während Vizepräsident Marco Baldi hofft, dass der erste Titel seit 2003 das Team „beflügelt, unser eigentliches Ziel zu erreichen“, die Meisterschaft, weist Harnisch die Favoritenrolle zurück: „Köln ist letztes Jahr als Pokalsieger in der ersten Play-off-Runde gegen Gießen ausgeschieden“, sagt er. „Für mich ist nachwievor die Mannschaft Favorit, die Meister ist und in der Europaliga die Zwischenrunde erreicht hat.“ Bamberg also. Im Europaliga-Ranking hat Alba durch den Pokalerfolg aufgeholt und kann sich die Teilnahme mit dem Gewinn des Meistertitels nun aus eigener Kraft sichern.

Der Hauptrundenerste Alba, der in den entscheidenden Play-off-Spielen Heimvorteil hat, ist hungrig nach weiteren Triumphen. Als die Ära Alba nach sieben Meistertiteln in Folge 2003 endete, waren Siege zur Gewohnheit geworden. Vom Erfolgsteam 2003 sind nur Lollis, Stanojevic und Rödl übrig. In der jetzigen Mannschaft stimmt es im Gegensatz zu manch früherem Jahr menschlich, es ist eine Einheit, keine Interessensgemeinschaft. Das zeigt auch der Umgang mit Mamic, der nach seiner Rückenmarkverletzung ums Comeback kämpft. Bei der Siegerehrung in Bamberg durfte er als Erster den Pokal stemmen. Neben dem Feld ist immer noch er der Kapitän.

Sein Nachfolger auf dem Parkett, Hollis Price, hatte am Ostersonntag gegen Bamberg 32 Punkte gemacht. „Im Pokalfinale haben wir versucht, uns auf ihn zu konzentrieren. Dann hat aber Demond Greene Verantwortung übernommen“, sagte Bambergs Trainer Dirk Bauermann. Greene traf in den ersten fünf Minuten vier Distanzwürfe. Viele Berliner können ein Spiel entscheiden – das aber gilt auch für Bamberg. Die Franken haben die besser besetzte Ersatzbank, was für Alba ein Problem werden könnte. Im Finale ließ Rödl, der am Sonntag laut Präsident Dieter Hauert „sein Gesellenstück gemacht hat“, quasi mit sieben Mann spielen. Die Nachwuchsspieler Kulawick und Zwiener kamen auf maximal eine Minute Einsatzzeit, Nationalspieler Arigbabu erneut auf keine. Die verletzten Leistungsträger Luke Whitehead und Mike Penberthy werden wohl irgendwann wieder eingreifen können – aber in welcher Form? Die Play-offs werden kraftraubend, dabei hat schon „das Pokalwochenende viel Kraft gekostet, auch die Feier“, sagt Baldi. Zumindest hier droht keine Überforderung: Bis zur Meisterfeier ist mindestens bis zum 4. Juni Zeit.

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