Alba : Zeit für Pathos

Körperlich ausgelaugt, aber psychisch gestärkt beendet Alba die Halbfinalserie gegen Oldenburg.

Marieke Nannen[Oldenburg],Helen Ruwald
Jenkins
Kein Durchkommen. Albas Julius Jenkins (links) stellt sich dem Oldenburger Rickey Paulding in den Weg. -Foto: dpa

Viel Zeit zum Feiern, Durchatmen oder gar Ausruhen war nicht. Um halb elf Uhr abends hatten Alba Berlins Basketballer das Kraft und Nerven raubende vierte Play-off-Halbfinalspiel bei den EWE Baskets Oldenburg 72:68 gewonnen und waren ins Finale eingezogen. Wenig später saßen sie bereits in Cuxhaven im Kleinflugzeug nach Berlin, gegen zwei Uhr früh landeten sie in Schönefeld. „Diese Planung ging Richtung eines fünften Spiels am Donnerstag“, sagt Albas Sportdirektor Henning Harnisch. „Da hätte in der Vorbereitung jede Stunde gezählt. Zu Hause im eigenen Bett zu schlafen, ist ein großer Gewinn.“

Vielleicht träumten die Profis zu später Stunde ja von den entscheidenden Szenen eines Spiels, von dem Harnisch schwärmt: „Dramatischer geht es nicht. Das klingt vielleicht pathetisch, aber da war alles drin, was unsere Sportart ausmacht: Einzelkönner, Mannschaftsgeist, extreme Wechsel.“ Kurz vor Ende des dritten Viertels führte Alba bereits 53:39, doch wie schon nach dem deutlichen Vorsprung im noch verlorenen Spiel drei am Sonntag in Berlin entwickelte sich alles anders als erwartet. Mit einer Dreierserie kam Oldenburg, nach vorne gepeitscht von 3100 Fans in der ausverkauften Mini-Arena, nicht nur heran, sondern zog an den konsternierten Berlinern vorbei. Auch Oldenburgs Daniel Strauch traf plötzlich aus der Distanz, „der hatte in der Serie bisher keine Rolle gespielt“, sagt Harnisch, „da ist man als Mannschaft geschockt.“

Drei Minuten vor dem Ende führten die Gastgeber 61:56, es sah schlecht aus für Alba. Doch 25 Sekunden vor der Schlusssirene gelang Dragan Dojcin (15 Punkte) einer seiner wichtigsten Körbe, seit er im Sommer zu Alba gewechselt ist. Er versenkte einen Dreier zum 69:66. Als dann Oldenburgs bester Werfer Rickey Paulding einen vermeintlich leichten Korbleger zum Ausgleich vergab und Julius Jenkins unter riesigem Druck drei von vier Freiwürfen traf, war der Sieg perfekt. Jenkins hatte wieder einmal gezeigt, dass man immer mit ihm rechnen muss. In der ersten Halbzeit war er noch abgetaucht, nach der Pause traf er in entscheidenden Phasen und wurde mit 17 Punkten Topscorer. „Wir wussten, wie stark die Oldenburger sind und waren nicht überrascht, dass sie zurückgekommen sind“, sagte er. Weil Alba auf das drohende Unheil gefasst gewesen sei, „sind wir ruhig geblieben. Aber zu feiern gibt es noch nichts. Wir haben größere Ziele.“ An eine Niederlage habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht, sagte Aleksandar Nadjfeji, der die Schlussphase nach seinem fünften Foul von der Bank aus erlebte. „Wir wollten die Serie unbedingt beenden, fünfte Spiele sind schwierig. Jetzt haben wir zwei Tage mehr als unser Gegner, um zu regenerieren.“

Dass es der Mannschaft in einer so hitzigen Atmosphäre gelungen sei, das Spiel noch einmal zu drehen, sei die größte Leistung, findet Harnisch. Trainer Luka Pavicevic hingegen kommentierte den Einzug ins Finale, in dem ab Sonntag (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) die Skyliners Frankfurt oder die Telekom Baskets Bonn der Gegner ist, gewohnt nüchtern: „Wir hatten das Spiel bereits im Griff, haben dann die Kontrolle verloren, hatten aber am Ende die nötige Ruhe“, sagte er. Gestern gab er dem Team frei, um zu regenerieren und kleinere und größere Wehwehchen zu pflegen. Schließlich stehen Alba noch mindestens drei harte Spiele bevor, an deren Ende der erste Meistertitel seit 2003 und damit der Einzug in die Europaliga stehen soll.

Die Ruhepause nach der kräftezehrenden Serie wird vor allem Immanuel McElroy gut tun. Er ging mit einer Bänderdehung im linken Knöchel ins Spiel und kam nach der Pause auch noch mit bandagierter rechter Wade aufs Feld. Dennoch fightete der Amerikaner 36 Minuten lang, machte zwölf Punkte und holte sechs Rebounds. Mit angeschlagener Physis, aber gestärkter Psyche sehen die Berliner dem Finale entgegen. Schon im zweiten Viertelfinalspiel in Bremerhaven hatten sie im letzten Viertel das Spiel gedreht, in Oldenburg siegten sie in Spiel eins nach einem Fehlstart und in Spiel zwei nach Rückstand trotz hoher Führung. Solche Spiele zu gewinnen, „hat die Mannschaft jetzt drin“, sagt Harnisch.

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