Sport : Albas Ära, Teil zwei

Warum die Berliner Basketballer in Zukunft wieder dominieren könnten

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Zum Start einer jeweiligen Saison bringt der Basketballklub Alba Berlin ein Magazin heraus. Auf der zweiten Seite gehört Dieter Hauert das Wort. Zu Beginn der vergangenen Spielzeit echauffierte sich der Präsident heftig darüber, dass ein Journalist vom „Ende einer Ära“ geschrieben hatte. Die Berliner waren 2004 zum ersten Mal nicht Deutscher Meister geworden, nach zuvor sieben Titeln in Folge. Auch in der darauf folgenden Spielzeit holte Alba weder die Meisterschaft noch den Pokal. Im Pokalfinale dieses Jahres besiegten die Berliner Bamberg in deren Halle, die Hauptrunde schlossen sie als Erster ab. Bereits vor der diesjährigen Finalserie gegen Köln (heute 19.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle, live bei Premiere) sieht es so aus, als sei Albas Ära nur unterbrochen worden.

Marco Baldi bleibt bescheiden. Der Vizepräsident glaubt nicht, dass seine Mannschaft die Liga in den kommenden Jahren wieder dominieren wird. „In der Spitze ist die Liga breiter geworden“, sagt er. Das liege zum einen an der vor dieser Saison eingeführten Öffnung des Transfermarktes, zum anderen an der verbesserten wirtschaftlichen Situation insgesamt. Baldi zählt Bamberg, Köln, Frankfurt, aber auch die Überraschungsmannschaft Bremerhaven zu den dauerhaften Konkurrenten. Früher habe es einige Mannschaften gegeben, „die einfach froh waren, dabei zu sein. Jetzt sind die anderen ambitionierter geworden“, sagt Baldi.

Die Pläne von Alba Berlin sind aber wohl die ambitioniertesten: Der Etat soll von derzeit 5,5 bis 2010 auf 8 Millionen Euro gesteigert werden. Finalgegner Köln wirtschaftet mit weniger als 3,5 Millionen. Frankfurt wäre als Meisterschaftszweiter des Vorjahres beinahe abgestiegen in dieser Saison. Bamberg ist neben Alba die Mannschaft mit den größten finanziellen Möglichkeiten. „Bamberg hatte in diesem Jahr das mit Abstand teuerste Team der Liga“, sagt Marco Baldi. Albas Rivale würde laut Baldi einen größeren Teil seines etwa gleichen Etats in die erste Mannschaft stecken, als es die Berliner tun. Wie es mit Bamberg weitergeht, ist allerdings noch ungewiss – der Hauptsponsor „Nici“, Hersteller des WM-Maskottchens Goleo, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Auch der Namenssponsor, die Direktmarketing- Firma GHP, wird nach dieser Spielzeit aussteigen. Ursprünglich hatte Bamberg geplant, den Etat für die kommende Saison zu steigern. „Jetzt haben wir das Ziel, unseren Etat erst einmal zu halten“, sagt Vereinschef Johannes Kemmer.

Eines hatte Bamberg den Berlinern in diesem Jahr trotz einer Saison ohne Titel voraus: Spiele in der Europaliga. Um dort wieder hin zu kommen, müssen die Berliner die Finalserie gewinnen. Ansonsten spielt Köln in der höchsten europäischen Liga und Alba im Uleb-Cup. In die heute beginnenden Endspiele gehen beide Mannschaften ersatzgeschwächt. Bei Alba fehlen die verletzten Jovo Stanojevic, Matej Mamic und höchstwahrscheinlich Mike Penberthy. Köln wird auf den gesperrten Flügelspieler Immanuel McElroy verzichten müssen, der im Halbfinale an der Prügelei mit Bamberger Spielern beteiligt gewesen war. Im zweiten Finalspiel ist McElroy wieder spielberechtigt.

Trotz der Ausfälle in seiner Mannschaft ist Albas Präsident zuversichtlich. „Kein anderer Verein würde den Ausfall von drei Stammspielern verkraften“, sagt Dieter Hauert. Albas Präsident dominiert die Liga auf jeden Fall in Sachen Selbstbewusstsein.

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