Albas Deon Thompson : Krake mit Anspruch

In der Euroleague ruhen Albas Hoffnungen auch heute gegen den Polnischen Meister Gdynia auf Deon Thompson. Der US-Amerikaner konnte international bereits für die Berliner glänzen, hat aber noch weitaus mehr vor.

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Deon Thompson überzeugt bei den Berlinern mit Einsatz, Wissbegierde und Vielseitigkeit.
Deon Thompson überzeugt bei den Berlinern mit Einsatz, Wissbegierde und Vielseitigkeit.Foto: dpa

Berlin - Neulich, im Spiel gegen Frankfurt, stieß Deon Thompson in eine neue Dimension vor. Der 24-Jährige ist ohnehin erfolgreichster Punktesammler bei Alba Berlin in dieser Saison, mit seinen langen Armen und seiner Explosivität ist er in Korbnähe die wichtigste Offensivoption der Berliner Basketballer. Gegen die Frankfurter tauchte Thompson aber plötzlich auch an der Dreierlinie auf, bekam den Ball und traf mit einem erstaunlich sauberen Sprungwurf aus der Distanz. „Ich möchte ein guter Dreierschütze werden, daran arbeite ich“, sagt Thompson. Sollte ihm das gelingen, würde er für Alba noch unverzichtbarer werden – und womöglich unbezahlbar.

Auch heute im Euroleague-Spiel gegen den Polnischen Meister aus Gdynia (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof) werden viele Angriffe über den Power Forward laufen. Mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten der Gruppe B wäre Alba so gut wie sicher in der Zwischenrunde, sollte Elan Chalon parallel bei Maccabi Tel Aviv verlieren, stünden die Berliner sogar vorzeitig unter den besten 16 Teams Europas. Allerdings gelang den Polen ihr bislang einziger Sieg gegen Alba. Deon Thompson kam bei der 66:77-Niederlage im Hinspiel zwar auf zehn Zähler, seine Wurfquote ließ aber sehr zu wünschen übrig. In der Euroleague steht kein anderer Alba-Profi so lange auf dem Feld wie Deon Thompson, mit 15 Punkten pro Spiel ist er bester Berliner Werfer, auch 6,1 Rebounds und ein geblockter gegnerischer Wurf Block pro Partie sind Bestwerte im Team. Kein anderer Spieler im gesamten Wettbewerb hat an den bisherigen sieben Spieltagen so oft aus der Zweipunkt-Nahdistanz getroffen. „Er ist ein wichtiger Faktor für uns, aber er ist nicht der einzige“, sagt Trainer Sasa Obradovic nüchtern. Thompsons Leistungen seien noch nicht stabil genug, besonders in der Bundesliga. „In der Euroleague hilft er uns mit seiner Erfahrung aber natürlich sehr weiter.“

Immerhin eine Saison hat Deon Thompson bereits auf höchstem europäischen Niveau gespielt, im vergangenen Jahr stand er in Ljubljana unter Vertrag. „Dort habe ich gelernt, jede Gelegenheit, die sich bietet, zu nutzen“, sagte der gebürtige Kalifornier. „Und auch bei Alba möchte ich mich weiterentwickeln.“ Im Gegensatz zu manch anderem US-Amerikaner, den es nach Europa verschlagen hat, ist Thompson lernwillig. „Er weiß, dass er noch Schwächen hat, aber er arbeitet daran“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel. „Und er ist nicht beleidigt, wenn man ihn kritisiert – was nicht alltäglich ist.“

Obradovic verlangt viel von dem 2,04 Meter großen Profi. Thompson muss bei der Pressverteidigung der Berliner in vorderster Linie mitmachen, wesentlich kleinere Gegenspieler attackieren, zurücksprinten. Andere große Spieler wären mit dieser Aufgabe überfordert. „Deon hat sehr viel Potenzial, weil er die athletischen Voraussetzungen für mehrere Positionen mitbringt – defensiv und offensiv“, sagt Demirel. Im Angriff wirft Thompson oft einfach über seine Gegenspieler hinweg oder setzt seine Muskeln ein, um sich durchzutanken und per Dunking oder Hakenwurf abzuschließen. In der Verteidigung ist er leichtfüßig genug, um schnellere Spieler am Durchbruch zum Korb zu verhindern. Und wenn er seine Krakenarme ausfährt, schreckt mancher Gegner ohnehin zurück und passt den Ball lieber gleich weiter.

Was Thompson zur europäischen Extraklasse auf seiner Position fehlt, ist ein verlässlicher Distanzwurf von der Dreierlinie. „Wenn man sich die anderen Power Forwards in der Euroleague anschaut, dann können das fast alle“, sagt er. „Deshalb ist das ein sehr wichtiger Teil des Spiels. Und da möchte ich mich definitiv verbessern.“ Obradovic hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er in der Lage ist, seine Spieler weiter zu entwickeln, einen wirklichen Bedarf dafür sieht der Serbe bei Deon Thompson aber nicht. „Ich sehe ihn nicht unbedingt als Schützen von außen, sondern eher unter dem Korb“, sagt Obradovic. „Er soll das spielen, was er am besten kann. Wenn dazu aber auch noch gehört, dass er Dreier werfen kann, umso besser.“

Am vergangenen Sonntag in Bremerhaven konzentrierte sich Thompson in der entscheidenden Szene auf sein Kerngeschäft. Kurz vor der Schlusssirene angelte er sich einen Offensivrebound und tippte den Ball zum 70:69-Siegtreffer in den Korb. Solange er die Dinge erledigt, für die ihn Alba verpflichtet hat, lässt ihn Obradovic vielleicht ab und zu auch an der Dreierlinie herumgeistern.

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