Albas erster Saisonsieg : In der Tiefe liegt die Kraft

Albas Sieg gegen Ludwigsburg zeugt vom neuen Weg. Kurz vor dem vor dem Ende durfte sogar Nachwuchsspieler Akpinar zum ersten Mal in der Arena am Ostbahnhof auflaufen und seine ersten Punkte in der BBL erzielen.

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Aufsteiger. Ismet Akpinar.
Foto: Imago

Knapp drei Minuten vor dem Ende durfte sogar Nachwuchsspieler Ismet Akpinar zum ersten Mal das Parkett der Arena am Ostbahnhof betreten. Es war ein nicht unbedeutender Moment in der noch jungen Karriere des 18 Jahre alten Zugangs des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin. „Ismet hat bisher in der Nachwuchsbundesliga in Hamburg vor 30 Leuten gespielt“, erklärt Albas Sportlicher Leiter Mithat Demirel, dann fällt ihm ein, dass das nicht ganz richtig ist. „Und in der Pro B bei Rist Wedel“, ergänzt er, „da kommen 200 bis 300 Leute.“

Am Samstagabend aber betrat Ismet Akpinar vor offiziell 10 771 Zuschauern das Spielfeld, nur kurze Zeit später hatte er mit zwei verwandelten Freiwürfen seine ersten Punkte in der Bundesliga erzielt. Damit haben beim nie gefährdeten Erfolg über Ludwigsburg (83:52) im ersten Heimspiel alle zwölf Berliner Spieler gepunktet. Was als Ausdruck einer neuen Tiefe im Berliner Team gewertet werden kann. „Wir haben dieses Jahr ein paar Spieler mehr in der Rotation, die nicht nur im Kader sind, sondern auch Impulse setzen können“, sagt Mithat Demirel. Durch zahlreiche Wechsel konnte Alba beim ersten Erfolg im zweiten Spiel in der Verteidigung konstanten Druck auf den überforderten Gegner ausüben. Albas Geschäftsführer Marco Baldi erklärt: „Wir haben heute gesehen, was unser Weg ist.“

Nun sollten die Verantwortlichen sich davor hüten, der unterhaltsamen, aber einseitigen Partie zu hohen Wert beizumessen. Auch fällt der Einsatz aller Spieler leicht, wenn das Spiel schon vor der Halbzeit entschieden ist. Allerdings hat es in der Vergangenheit unter dem ehemaligen Alba-Trainer Luka Pavicevic viele Spiele gegeben, in denen Nachwuchsspieler trotz einseitiger Ergebnisse keine oder kaum Spielminuten erhalten haben.

Anders in dieser Saison, in der sich die Berliner die Entwicklung der Spieler ins Konzept geschrieben haben. „Wir hatten in der vergangenen Saison zu wenig Druck von jungen Spielern, die von unten nachdrücken – das ist jetzt anders“, sagt Marco Baldi. Der tiefere Kader ermöglicht es dem Trainer, die Spielzeit ausgeglichener zu verteilen. So musste David Logan, mit 17 Punkten bester Berliner Werfer, lediglich 21 Minuten auf dem Parkett stehen. Neun Spieler spielten länger als zehn Minuten, und hätte der 21 Jahre alte Bar Timor nicht so eine nervöse Darbietung gebracht, wären es zehn geworden.

Bei der ersten Auswechslung des jungen Deutsch-Israelis drehte ihm Alba-Trainer Sasa Obradovic demonstrativ den Rücken zu. Dabei hätte es dieser Missfallensgeste gar nicht bedurft, Bar Timor wusste, wie seine Ballverluste einzuordnen waren. „Meine Fehler hatten nichts mit Basketball zu tun, das war mental“, sagt er. Obradovics ungewöhnliche Art der Spielerentwicklung kam bei ihm offenbar nicht negativ an. „Auch wenn er mal schreit und sehr emotional ist, finde ich das sehr gut“, sagt Bar Timor, „ihm sind nun mal viele Dinge wichtig.“ Natürlich auch das Spielresultat, wie Anfang des vierten Viertels zu beobachten war. Als die Entwicklungsspieler Bar Timor, Akeem Vargas sowie der erfahrene Levon Kendall eine 0:6-Serie zuließen, saßen sie schon nach etwas mehr als einer Minute wieder auf der Bank.

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