Albas Gegner : Die Verwandlung der Bayern

Unter Trainer Svetislav Pesic sind Bayerns Basketballer zu einem Spitzenteam gereift – das soll auch Alba Berlin am Sonntag zu spüren bekommen.

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Auge in Auge: Bayerns Tyrese Rice und Svetislav Pesic (r.) im Zwiegespräch.
Auge in Auge: Bayerns Tyrese Rice und Svetislav Pesic (r.) im Zwiegespräch.Foto: dpa

Yassin Idbihi sagt: „Die Verteidigung.“ Heiko Schaffartzik sagt: „Das Selbstvertrauen.“ Bei Alba Berlin ist man sich eben noch nicht ganz einig darüber, was sich bei den Basketballern des FC Bayern unter Trainer Svetislav Pesic am meisten verändert hat. Klar ist allerdings, dass sich die Münchner, bei denen die Berliner am Sonntag (13 Uhr, live auf Kabel 1) antreten, unter dem Serben erstaunlich entwickelt haben.

Seit der 70:82-Niederlage bei Pesics Debüt am 2. Dezember im Hinspiel in Berlin haben die Bayern von elf Pflichtspielen nur eines (in Ulm) verloren, am Donnerstag gewannen sie im Pokal äußerst beeindruckend in Bamberg. „Bayern ist jetzt eine komplett andere Mannschaft, sie spielen viel aggressiver und schneller“, sagt Alba-Center Idbihi. Es sei eingetreten, was zu erwarten war, nämlich „dass sie mit Pesic zu einer absoluten Spitzenmannschaft werden“. Heiko Schaffartzik steht in regelmäßigem Kontakt zu den Münchner Nationalspielern, „die haben viel Spaß, erfreuen sich am Basketball und sind hungrig auf Erfolg“, berichtet der Berliner Aufbauspieler. Einige Merkmale des neuen Bayern-Stils kennt Schaffartzik bereits aus der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Pesic: „Es gibt einen großen Teamgeist, jeder spielt für jeden, jeder hat eine klar erkennbare Aufgabe.“ Dazu kommen „hohes Tempo und viel Druck – defensiv wie offensiv“.

Ende November hatte Pesic eine Mannschaft übernommen, die ohne Identität und Willenskraft auftrat und sogar einen Play-off-Platz zu verpassen drohte. „Jetzt spielen die Bayern viel besser, sind die vollen 40 Minuten aggressiv“, hat Albas Trainer Sasa Obradovic beobachtet. Allerdings komme den Münchnern auch zugute, dass sie nur in der Bundesliga antreten: „Wenn man nur einmal pro Woche spielt, hat man natürlich viel Energie.“

Nicht nur die Mannschaft als Ganzes scheint von Pesic aufgeweckt worden zu sein, auch einzelne Profis haben sich in den vergangenen Wochen enorm gesteigert. Robin Benzing steigerte seinen Punkteschnitt in der Bundesliga von 4,8 auf 14 Zähler pro Spiel, im Pokal gegen Bamberg übernahm er die Verantwortung und zog immer wieder zum Korb, als die Bayern ihre hohe Führung zu verspielen drohten. „Robin wurde sehr viel kritisiert und hatte sehr viel Druck“, sagt sein Mitspieler Jan Jagla. „Er ist aber ein Spieler, der das volle Vertrauen des Trainers spüren muss.“ Nicht nur Benzing tritt zurzeit ganz anders auf als noch zu Saisonbeginn, auch Steffen Hamann glänzte zuletzt gegen Frankfurt mit 13 Punkten, sechs Rebounds, acht Assists und vier Steals.

Gegen Bamberg beeindruckten die Münchner in der ersten Hälfte mit einer nahezu perfekten Verteidigungsleistung, später verloren sie auch nicht die Nerven, als Bamberg mit viel Wut aufholte. Unter Pesic könne man als Spieler eben auch mal einen Fehler machen, sagt Jagla: „Alle fühlen sich wohl und können ihr Leistungspotenzial ausschöpfen.“ Es herrscht eben allgemeines Wohlbefinden in München. Und Jagla kann es sich sogar erlauben, die Frage nach der größten Veränderung im Team stellvertretend für Idbihi und Schaffartzik salomonisch zu beantworten: „Sie haben beide Recht.“

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