Albas Hallen-Premiere : Mäßig enthusiastisch

Alba siegt 95:84 gegen Quakenbrück – beim ersten Spiel vor 14 800 Zuschauern in der 02-World begeistern die Berliner aber nicht.

Helen Ruwald

Berlin - Die Augen waren überall. Kurz vor Spielbeginn fanden sich die Fans Auge in Auge mit Alba wieder. Bei der Vorstellung der Profis vor dem ersten Heimspiel in der 02-World erschienen nur die Augen zusammen mit dem Namen und der Rückennummer x-mal auf dem schmalen Rundum-Display zwischen Unter- und Oberrang. An die zehnmal der intensive Blick von Casey Jacobsen, Patrick Femerling oder Steffen Hamann. Das war nur eine der Neuerungen am Tag X für den deutschen Basketballmeister. Mit rund 15 Minuten Verspätung begann der Saisonauftakt gegen die Artland Dragons Quakenbrück, weil sich noch so viele Fans vor den Türen und an der Tageskasse drängten. Sie erlebten einen hart erkämpften 95:84 (39:45)-Sieg der Gastgeber in einem zerfahrenen Spiel in der ausverkauften Großarena am Ostbahnhof. Ein glanzvoller Auftakt war es nicht, ein geglückter schon vor offiziell 14 800 Fans. Tatsächlich waren es weniger: Viele der VIP-Boxen, die vom Hallenbetreiber, der Anschutz-Gruppe, dauerhaft vermietet werden, blieben leer oder waren nur spärlich gefüllt. Wer zu Herbert Grönemeyer pilgert, den zieht es eben nicht automatisch auch zu Alba Berlin. Für die Basketballer freilich war der nach jahrelangen Verhandlungen und monatelangen Planungen vollzogene Umzug von der Max-Schmeling-Halle in die fast doppelt so große 02-World ein fast schon historischer Schritt. „Das ist meine 19. Saison“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi nach dem Sieg, „ich war so aufgeregt wie seit langem nicht. Es war viel Anspannung zu spüren, aber die Atmosphäre war fantastisch, das ist eine ganz andere Dimension.“

Anfangs saßen die Fans noch skeptisch und schweigsam auf ihren blauen Stühlen. Lange hielten sie es so allerdings nicht aus. Kurz vor Spielbeginn erschienen auf dem riesigen Videowürfel unter der Hallendecke grandiose Szenen aus Albas Vereinsgeschichte, der Gewinn des Korac-Cups, die Titelgewinne in der Bundesliga mit den einstigen Publikumslieblingen Wendell Alexis und Henrik Rödl. Dazu immer wieder ein Schrei mit sich überschlagender Stimme: „Alba ist Deutscher Meister!“ Die ruhmreiche Vergangenheit als Einstimmung auf eine Zukunft, die sich Alba mit dem Angriff auf Europa noch viel ruhmreicher ausmalt.

Die Fans waren hingerissen und lärmten begeistert mit ihren Klatschpappen. Allerdings ließ ihr Enthusiasmus bald nach und passte sich vorübergehend dem Spielverlauf an. Die Berliner, bei denen Steffen Hamann, Julius Jenkins, Immanuel McElroy, Adam Chubb und Ansu Sesay die Startformation bildeten, begannen nervös und leisteten sich viele Fehler. Chubb hatte nach drei Minuten bereits zwei Fouls kassiert, so wie schon beim Sieg am Dienstag im Champions Cup in Quakenbrück gegen die Dragons. Für ihn kam Patrick Femerling. Quakenbrück wirkte besser eingespielt, und so wurde aus einer 17:12-Führung der Berliner eine Sechs-Punkte-Vorsprung zur Pause für die Gäste. „In der ersten Halbzeit waren wir von der Atmosphäre beeindruckt. Man hat gemerkt, dass der Fokus nicht nur beim Spiel war“, sagte Sportdirektor Henning Harnisch, „danach war es aber eine runde Sache.“ Zur Pause allerdings lagen die Eisbären-Fans im Stimmungs-Konkurrenzkampf vorn. Beim 11:0-Rekordsieg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende hatten sich die Fans des deutschen Eishockeymeisters von den Spielern mitreißen lassen – genauso wie andersrum der Alba-Anhang in seinem Schwung gebremst wurde. Außerdem beschränkten sich die Basketball-Fans auf Alba- und Defense-Rufe, ihre Kollegen vom Eishockey verfügen über ein umfangreicheres Repertoire: „Uffta-uffta“ und „Ost-Ost-Ostberlin“ gellte vor einer Woche durch die Arena.

Doch der Basketball-Anhang holte in der zweiten Halbzeit auf und steigerte sich genauso wie das Team. Vor allem Julius Jenkins (25 Punkte) und Ansu Sesay (16) trieben Alba nach vorne. Durch zwei Dreier in Folge von Jenkins wurde aus einem 57:62 ein 63:64, ehe im Schlussabschnitt (28:18) Alba nach Belieben traf. Quakenbrück wusste sich nur noch mit Fouls zu helfen. „18 Freiwurfversuche von Alba im letzten Viertel sprechen eine deutliche Sprache“, sagte Quakenbrücks Trainer Thorsten Leibenath. Insgesamt verwandelte Alba 30 von 35 Freiwürfen. Die große Zahl hängt auch mit der Vorgabe an die Schiedsrichter zusammen, in dieser Saison strenger zu pfeifen. Patrick Femerling störte es nicht: „Das war eben ein Meisterschaftsspiel, in dem es um etwas geht: um Punkte und Prestige und darum, wer am Ende der Saison oben steht“, sagte er. Schönheit tut da nichts zur Sache, auch nicht am Tag X.

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