Sport : Albas Hoch hält auch bei Schneesturm an

Helen Ruwald

Ein Tag ohne Flugzeug, so scheint es, ist für Albas Basketballer kein richtiger Tag. Fliegen, spielen, schlafen, fliegen hieß in dieser Woche das eintönige wie Kräfte zehrende Programm. Am Dienstag flog der Deutsche Meister nach Athen, verlor dort am Mittwoch in der Euroleague bei Olympiakos Piräus. Am nächsten Morgen stiegen Spieler und Trainer in die Maschine zurück nach Berlin. Und trafen sich einen Tag später schon wieder am Flughafen Tegel. Ziel: Frankfurt am Main, von wo aus es zum Bundesligaspiel nach Gießen gehen sollte. Wieder zwängten sich die langen Kerle in die Flugzeugsessel - doch als sie eine Stunde später wieder ausstiegen, waren sie immer noch in Berlin. Schneesturm in Frankfurt, der Flug fiel aus. Erst am Samstagmorgen konnte Alba abheben Richtung Hessen, am Abend kehrte das Team zurück. Immerhin hatte dieser Ausflug sich gelohnt: Alba siegte im letzten Spiel vor der zweieinhalbwöchigen Weihnachtspause mit 71:65 (38:30) und kletterte in der Tabelle zumindest für 24 Stunden von Platz fünf auf Platz drei.

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"Das Ergebnis ist knapper als das Spiel es war", sagt Albas Manager Carsten Kerner, "wir lagen die meiste Zeit mit etwa zehn Punkten vorn. Erst kurz vor Schluss hat Gießen mit einem Dreier noch einmal verkürzt." Eine Minute vor Schluss kamen die Gastgeber so auf 63:67 heran, ehe Wendell Alexis (17 Punkte) und Dejan Koturovic (13 Punkte/14 Rebounds) mit ihren Körben den Sieg sicherstellten. Gießen präsentierte sich erstaunlich schwach, vor allem beim Korbwurf. Bei rund der Hälfte der Würfe brachte Alba den Ball im Korb unter, Gießen hingegen war nur bei etwa jedem vierten Wurf erfolgreich. Den Ausfall von Spielmacher Derrick Phelps (Polypen-Operation) verkrafteten die Gäste gut, für ihn spielte Stefano Garris von Anfang an. Topscorer beim Meister war Marko Pesic mit 18 Punkten.

Beeindruckende Dezember-Bilanz

"Es steckte ein bisschen Müdigkeit in den Beinen. Die Pause kommt richtig", sagt Kerner." Danach will Alba die Aufholjagd fortsetzten. Ziel ist nach wie vor Platz eins nach der Rückrunde, der dem Führenden mehr Heimspiele in den Play-offs garantiert. Albas Halbzeitbilanz liest sich mit vier Niederlagen (in der gesamten letzten Saison waren es zwei) in 13 Spielen auf den ersten Blick wenig erbaulich. Auch Platz drei ist des Meisters nicht würdig - eigentlich.

Doch die Dezember-Bilanz ist beeindruckend - zumal sie gegen viele Spitzenteams zustande kam. Mit der Genesung der vielen Verletzten, die Alba seit Saisonbeginn ersetzen musste, und der Rückkehr des mehrere Wochen suspendierten Centers Dejan Koturovic kamen Selbstbewusstsein und Siege zurück. Gegen Mitfavorit Leverkusen unterlag Alba zwar noch einmal in heimischer Halle, doch beim damaligen Tabellenführer Frankfurt, gegen den letztjährigen Zweiten Bonn und nun in Gießen gelangen Siege. Gegen die Telekom Baskets wurde gar ein 15-Punkte-Rückstand wettgemacht.

In der Euroleague besiegten die Berliner Charleroi und verloren gegen das Topteam Maccabi Tel Aviv mit nur einem Punkt. Nicht zum Aufschwung passt lediglich das deftige 75:91 in Athen. "Da hätte ich mir einen Sieg mehr gewünscht, etwa gegen Maccabi. Das hätte viel Motivation gebracht", sagt Kerner. So muss der Sechste Alba in fünf Spielen vier Punkte auf Malaga aufholen, um die Spanier vom vierten Platz zu verdrängen, der gerade noch den Einzug in die Zwischenrunde bedeutet. Ein schwieriges Unterfangen.

Doch national geht es aufwärts. Respekt und Angst hätten die Gegner vor dem jahrelang dominierenden Meister verloren, hatten Albas Spieler ernüchtert festgestellt, als sie Niederlage um Niederlage einsteckten. Das dürfte sich durch das Dezember-Hoch bei Schneesturm geändert haben. Alba ist wieder wer.

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