Albas Trainer : Mission erfüllt, Titel verpasst

Muli Katzurin hat Alba wird Alba wohl verlassen.

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Die kleine Gestalt im dunklen Trainingsanzug stand im Schatten des Mannschaftsbusses, abseits der trinkenden und singenden Menge. Nur aus der Nähe konnte man erkennen, dass Muli Katzurin ein Lächeln auf den Lippen trug. Alba Berlins Coach hatte gerade die Meisterschaft verpasst, die vielleicht schwierigste Mission seiner langen Trainerkarriere durfte der 56-Jährige trotzdem als erfolgreich beendet ansehen. Der Israeli hatte die Berliner Basketballer mitten in der Saison und mitten in der Krise übernommen, am Ende hatte er das Team fast zum Titel geführt. Trotz dieser Leistung wird das Spiel am Samstag wohl das letzte gewesen sein, bei dem Katzurin für Alba an der Seitenlinie stand.

„Alle Zukunftsfragen werden in der Zukunft geklärt werden“, sagte Katzurin auf die Frage, ob er Alba weiter betreuen werde, und blieb damit seinem Faible für kryptische Formulierungen treu. Sein Vertrag ist ausgelaufen, es sieht nicht danach aus, als würde er einen neuen erhalten. „Sie werden bald Bescheid wissen, in ein paar Tagen. Der Klub wird Ihnen sagen, was er Ihnen sagen muss“, sagte Katzurin. Auch Geschäftsführer Marco Baldi vermied eine klare Aussage (siehe Interview auf dieser Seite). Allem Anschein nach war der Israeli aber von Beginn an lediglich als Interimslösung eingeplant, allein der Meistertitel hätte wohl zu einer Vertragsverlängerung führen können.

„Ich habe es in Berlin genossen, auch vom Basketball her war es eine gute Zeit“, sagte Katzurin. Seine Basketball-Philosophie, die auf hohes Tempo setzt und den Spielern viele Freiheiten lässt, hatte Albas frustriertes Team nach dem Scheitern von Luka Pavicevic wiederbelebt. Zuvor hatten die Profis bisweilen so gewirkt, als würden sie die strikten Anweisungen von Katzurins Vorgänger wie Bleiwesten mit sich herumtragen. Unter dem neuen Coach spielte Alba teilweise begeisternd, aber auch grotesk inkonstant. In den Play-offs verblüffte Katzurin mit taktischen Kniffen und überraschenden Personalstrategien, seine Wechselorgie zu Beginn des zweiten Finalspiels gegen Bamberg dürfte einmalig in Albas Vereinsgeschichte bleiben.

Die Klubverantwortlichen dürfen sich dazu gratulieren, im Januar den richtigen Mann für die Rettung ihrer Saison gefunden zu haben. Katzurin war hart zu den Spielern und hart zu sich selbst, auch die Nacht zu Sonntag verbrachte er ohne Schlaf. Nach der Ankunft in Berlin in den Morgenstunden flog er am Vormittag in seine Heimat, wo seine Tochter am Dienstag heiratet. Nach der permanenten Hektik seit seinem Amtsantritt konnte aber auch diese letzte Reise Katzurin nicht mehr aus der Ruhe bringen: „Ich springe von einer Sache zur anderen, so ist das Leben.“

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