Albert Sing : Heimlicher Meister von Spiez

Zum Tod des Spielers und Trainers Albert Sing.

Sven Goldmann

Ein einziges Tor als Nationalspieler hat Albert Sing geschossen, aber das war ein ganz besonderes, nämlich das 500. der deutschen Nationalmannschaft. Deswegen findet Albert Sing heute noch manchmal Erwähnung, vorzugsweise von Statistikern. Ansonsten erinnert man sich im deutschen Fußball nur noch selten des Mannes, der 1954 als bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz als Quartiermeister von Bundestrainer Sepp Herberger fungierte und der deutschen Nationalmannschaft das legendäre Quartier in Spiez am Thuner See organisierte.

Mit dem Geist von Spiez stürmten die Deutschen zum Sieg im WM-Finale über den hohen Favoriten Ungarn. Albert Sing war Herbergers Mädchen für alles – zuständig für das Training mit den Reservisten, die Auskundschaftung der deutschen Gegner und die gute Laune im Quartier.

Unter Herberger hatte Sing 1940 in der Nationalmannschaft debütiert. Er sicherte als Läufer für den großen Fritz Walter ab, als er sein einziges Tor schoss, ausgerechnet gegen Ungarn. Das war im Mai 1942, als längst der Krieg tobte und die Nazis die Nationalmannschaft auf Propagandatourneen durch die von ihnen besetzten Länder schickten. Nach dem Krieg arbeitete der Schwabe Sing mit so großem Erfolg als Trainer in der Schweiz, dass ihn Herberger als Helfer für die WM 1954 engagierte. Nach dem Finalsieg über Ungarn blieb Sing in der Schweiz, er arbeitete in Bern, St. Gallen und Zürich, später auch in der Bundesliga für 1860 München und den VfB Stuttgart. So richtig zu Hause aber hat er sich in Deutschland nicht mehr gefühlt. Der DFB habe ihn geschnitten, klagte Sing später in seinem Alterssitz in der Schweiz. Schon während der WM 1954 sei er gemieden worden, und als er später um seine Ansprüche aus der Kriegsopferversorgung prozessierte, habe der DFB mit einem negativen Bescheid den Ausgang des Verfahrens entscheidend beeinflusst. In Deutschland blieb er der vergessene Weltmeister.

Am Sonntag ist Albert Sing im Alter von 91 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Sven Goldmann

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