Sport : Aleksandrs Starkovs, Vater

Lettlands Trainer setzt auf Altersblöcke

Wolfram Eilenberger

Wir haben viel gelernt über Lettland in den letzten Wochen. Lettland ist seit dem 1. Mai 2004 Teil der EU, Lettland wird leicht mit Estland und noch lieber mit Litauen verwechselt – vor allem aber nimmt es dieses Jahr als deutscher Gruppengegner an der Fußball-Europameisterschaft teil. Hier beginnen die ersten Verständnislücken. In Lettland gibt es weniger als 120 austrainierte Fußballspieler, lediglich acht Profivereine und seit 1991, dem Gründungsjahr der lettischen Liga, nur einen Meisterklub, Skonto Riga.

So bleibt die Frage, wie es überhaupt zu diesem Qualifikationswunder kommen konnte. Mühsam hat sich der deutsche Fan mit Stürmernamen wie Verpakovskis oder Pahars vertraut gemacht. Späher raunen von einer kopfballstarken Innenverteidigung, einem konsequent umgesetzten 4-4-2-System, dem spürbaren Einfluss einer körperbetonten britischen Spielweise und von einer Form des Fahnenstolzes, die uns Zentraleuropäern kaum noch begreiflich ist. Er kämpft, der Lette. Das alles glauben wir zu wissen. Die Letten haben es uns erzählt.

Natürlich richten sich die fragenden Augen auf den Vater des Erfolgs, also den Trainer. Aleksandrs Starkovs spricht von seiner Mannschaft gern als „seiner Familie“. Zumindest aus zeitlicher Perspektive scheint dies gerechtfertigt. Starkovs, Ex-Trainer von Skonto Riga, schöpft seit zehn Jahren aus einem eng begrenzten Kontingent. Die lettischen Spieler trainierten bei Skonto seit frühester Jugend zusammen. Starkovs hat die ehemaligen Jugendjahrgänge der Rigaer Schule in drei Altersblöcken zur Nationalmannschaft geformt. Es gibt einen gut fünf Mann starken Defensivblock der über 30-Jährigen, eine zahlenmäßig ebenbürtige Reihe an 27-jährigen Laufkräften und eine kleine Garde junger Spieler um den neuen Stürmerstar Verpakovskis. Wo andere Trainer Vereinsblöcke bildeten, schuf Starkovs Altersblöcke.

Ob dieses Kollektiv alter Kollegen bei der Europameisterschaft seine Spielform bewahren wird, ist fraglich. Schließlich bietet das Turnier vielen lettischen Profis die große Chance, sich für einen Vertrag in den großen europäischen Ligen anzubieten. Solch ein Begehren könnte dem lettischen Spiel seine eigentliche Qualität rauben.

Bis zur Fußball-EM stellen wir aus jeder Mannschaft einen Spieler oder Trainer vor, dem wir eine entscheidende Rolle zutrauen. Morgen: Jon Dahl Tomasson, Dänemark

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