Sport : Alex Alves: "Ich verlasse Berlin nur als Star"

Guten Tag[wir haben hier in Berlin ge],Herr Alves[wir haben hier in Berlin ge]

Alex Alves (26) spielt seit 1. Januar 2000 für Hertha BSC. Als Fotomodell macht er eine gute Figur, auf dem Platz nicht immer. Der Brasilianer, der für 14,5 Millionen Mark Ablöse aus Belo Horizonte gekommen war, erzielte in 30 Bundesligaspielen 8 Tore.

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Guten Tag, Herr Alves, wir haben hier in Berlin gerade den kältesten März seit ewigen Zeiten. Da muss ein Brasilianer doch . .

am liebsten nach Hause fahren? Nein. Natürlich ist das Wetter bei mir in Bahia viel schöner, und ich habe auch manchmal Heimweh. Ich habe aber einen Vertrag in Berlin, und den werde ich erfüllen.

Das ist so eine Standardformel, die alle Profis benutzen, auch wenn sie noch so unzufrieden sind.

Ich werde mich hier durchsetzen. Es gab ein paar Anfragen von brasilianischen Klubs, die hätten mich sehr gerne geholt. Ich habe abgesagt. Wenn ich Hertha BSC verlassen sollte, dann nur als ein Mann, der in der Bundesliga ein Star war.

Aber wären Sie mit Ihren Fähigkeiten nicht bei einem Verein in Spanien oder Italien viel besser aufgehoben?

Was wollen Sie jetzt hören? Als ich das letzte Mal etwas zu Spanien gesagt habe, stand am nächsten Tag in der Zeitung, dass ich schon so gut wie weg sei. Nein, dieses Spiel mache ich nicht mehr mit.

Sie haben so Ihre Probleme mit der deutschen Presse.

Nein, ich habe nur Probleme, wenn ich Zitate von mir lese, die nun mal nicht von mir stammen. Deswegen gebe ich nur noch Interviews, wenn mich der Verein darum bittet. So wie jetzt bei Ihnen.

Was ist denn da so Furchtbares passiert?

Das ging schon los, als ich gerade ein paar Tage in Berlin war. Da habe ich gesagt, dass ich für Hertha gerne so wertvoll werden würde wie Giovane Elber für Bayern München. Wissen Sie, was Ihre Kollegen geschrieben haben? Alves: "Ich bin besser als Elber." Was glauben Sie, was ich da für Ärger bekommen habe.

Mit Hertha oder mit Elber?

Mit Giovane natürlich, der war stocksauer. Keine Ahnung, wo er das her hatte, aber solche Sachen sprechen sich ja auch in Deutschland schnell rum. Ich habe danach Paulo Sergio angerufen ...

Elbers Teamkollegen bei Bayern München ...

den kenne ich ganz gut. Er hat Giovane dann erzählt, wie das wirklich gemeint war. Aber ganz vom Tisch ist die Sache immer noch nicht.

Der Vergleich mit Elber ist so schlecht nicht. Hertha hatte sich bei Ihrer Verpflichtung einen absoluten Topmann erhofft. Der sind Sie bislang nicht.

Warten Sie, bis ich gezeigt habe, was ich kann. Ich habe bisher nur 40 Prozent meiner Leistung abgerufen.

Weil Sie so oft falsch zitiert worden sind?

Nein, nein. Das hat viele Gründe. Ich war oft verletzt, und es gibt auch Probleme außerhalb des Fußballplatzes.

Sie machen uns neugierig.

Kann ich mir denken, aber das sind persönliche Angelegenheiten, darüber rede ich nicht in der Öffentlichkeit. Es sind schon genug Sachen über mein Privatleben breitgetreten worden.

Zuletzt war mehr von Ihrem Fußpilz die Rede.

Ich kann Ihnen sagen, dass das verdammt wehgetan hat. Einmal am Fuß, dann die Art und Weise, wie das in den Zeitungen rübergekommen ist. Ich habe schon gemerkt, dass man sich über mich lustig gemacht hat. Sie können ja mal unseren Arzt fragen. Ich konnte einfach nicht mehr laufen.

Mit Trainer Jürgen Röber verstehen Sie sich auch nicht besonders gut.

Wer sagt das?

Das ist deutlich zu sehen, wenn Sie beleidigt auf der Bank sitzen, weil Sie mal wieder ausgewechselt worden sind.

Das hat nichts mit Röber persönlich zu tun. Ich werde nun mal nicht gerne ausgewechselt, so etwas kenne ich aus Brasilien nicht. Da habe ich immer durchgespielt und meine Tore geschossen.

Der Trainer wird seine Gründe haben.

Kann sein. Aber er muss auch wissen, dass ich nur dann zu meiner Form finde, wenn ich regelmäßig spiele. Ich brauche das einfach. Und Hertha wollte doch einen richtigen Torjäger.

Was halten Sie denn von Ihren Nebenleuten - spielen Sie lieber mit Michael Preetz, Piotr Reiss oder Ali Daei?

Sie werden von mir keinen Satz über einen Mitspieler hören.

Haben Sie denn Freunde in der Mannschaft?

Freunde? Wissen Sie, um gut zu spielen, muss ich mit meinen Kollegen doch nicht ins Bett gehen, oder? Mit Tony Sanneh kann ich mich ein bisschen auf Spanisch unterhalten, und dann kenne ich ein paar Leute aus Brasilien, die in Berlin leben. Mit denen bin ich öfter zusammen.

Auch mit Daniel Teixeira? Das ist ein Landsmann von Ihnen, der seit Beginn dieses Jahres höchst erfolgreich beim 1. FC Union spielt.

Kenne ich nicht. Welche Liga spielt dieser Verein?

Regionalliga. Dritte Liga.

Also, wissen Sie, für die Dritte Liga interessiere ich mich nun wirklich nicht. Da müsste der sich schon mal bei mir melden.

Aber Teixeira schießt Tore, in dieser Saison schon 21. Sie haben gerade mal vier erzielt.

Ich habe Ihnen doch schon gesagt, warum es bei mir noch nicht so läuft. Aber ich traue es mir durchaus zu, in jedem Spiel bis zum Saisonende noch ein Tor zu schießen.

Das wären acht, das erste schon im nächsten Heimspiel am Samstag. Wissen Sie denn, wer der Gegner ist?

Hmm, wir haben da so einen Plan in der Kabine, da steht das drauf. Helfen Sie mir doch bitte weiter.

München 1860. Wenn Hertha noch in die Champions League will, muss ein Sieg her. Was ist denn noch drin in dieser Saison?

Ich will Meister werden, was denn sonst?

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