Alexander und Daniel Weiß : Die Eishockeybrüder sind nah und fern

Die Brüder Daniel und Alexander Weiß haben jahrelang zusammen bei den Eisbären Berlin gespielt. Seit dieser Saison gehen sie getrennte Wege, weil sie sich auf unterschiedliche Weise weiterentwickeln wollen.

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Rot und Blau sind ihre Farben. Alexander Weiß (l.) spielt seit dieser Saison für die Kölner Haie, sein Bruder Daniel ist den Eisbären treu geblieben.
Rot und Blau sind ihre Farben. Alexander Weiß (l.) spielt seit dieser Saison für die Kölner Haie, sein Bruder Daniel ist den...Foto: City-Press

Sie spielen am liebsten zusammen. Das war schon immer so, und auch heute noch, im Erwachsenenalter, treten die Brüder Alexander und Daniel Weiß in einem Team an. Gemeinsam kämpfen sie gegen angriffslustige, bösartige Kreaturen. Online, auf der Playstation. Auf dem Eis aber sind die beiden seit Beginn dieser Saison erstmals in ihrer Karriere getrennt. Während Daniel weiterhin für die Eisbären aufläuft, hat es Alexander Weiß nach elf Jahren beim Berliner Eishockeyverein zu den Kölner Haien gezogen.

Den Abschied nach der vergangenen Meistersaison der Eisbären bezeichnete der 25 Jahre alte Stürmer als „hart, aber für mich und meine Entwicklung war es das beste“. Dazu muss man wissen, dass Alexander Weiß wie sein Bruder mit dem Eishockey in Berlin groß geworden ist. In Kindertagen sind die beiden zusammen aus einem Dorf im Schwarzwald auf eher ungewöhnliche Weise in die große Berliner Sportwelt gekommen. Dabei geholfen hat die große Literatur, die sonst ja eher wenig in diesem Sport zu suchen hat. Als Schriftsteller Hans-Georg Noack noch lebte, war er verliebt ins Eishockey, und er hatte ein gutes Auge. Wie sonst hätte er wohl die Gebrüder Weiß entdeckt und zu den Berlinern vermittelt?

Seitdem hatten Alexander und Daniel Weiß immer zusammen gelernt und gekämpft, weil sie dazu gezwungen waren, und es sich zu zweit einfach leichter lebt. Erst verbrachten beide eineinhalb Jahre gemeinsam im Internat, dann spielten sie zusammen in der Oberliga-Mannschaft der Eisbären und schließlich für die Profis. Bis zum Frühjahr 2011, als Schluss war mit dem brüderlichen Gleichschritt. Alexander Weiß trennte sich von seinem drei Jahre jüngerem Bruder. Zuletzt hatte er sich in Berlin eher unglücklich über das Eis bewegt, und er hatte das Problem, dass Don Jackson nicht unbedingt zu seinen größten Fans zählte. Der Trainer der Eisbären kritisierte ihn harsch, mal in der Kabine, mal in aller Öffentlichkeit.

Unter dem früheren Nationaltrainer Uwe Krupp, der Weiß nach Köln lockte, ist das jetzt ganz anders. 14 Tore hat der Stürmer in dieser Saison bisher für die Haie erzielt, in der gesamten Spielzeit zuvor waren es sechs. „Es läuft richtig gut für mich, ich fühle mich sehr wohl, und der Trainer schenkt mir Vertrauen“, erzählt Alexander Weiß. Die Sehnsucht nach Berlin und nach den gemeinsamen Tagen mit Daniel aber ist geblieben. Wenn Alexander Weiß mal ein paar freie Tage hat, reist er meistens hierher. Und ansonsten gibt es ja noch die Playstation und andere Kommunikationsmittel. „Wir telefonieren täglich miteinander“, sagt der jüngere der beiden. Und: „Es gibt auch andere Themen, allerdings sprechen wir schon meistens über Eishockey.“ Dabei könnten die Aussichten vor dem Aufeinandertreffen beider am Dienstag in Köln (19.30 Uhr) verschiedener kaum sein.

Die Haie mit Alexander Weiß werden aller Voraussicht nach die Play-offs in dieser Saison verpassen, die Eisbären mit Daniel Weiß rangieren in der Tabelle wieder mal auf Platz eins. So gesehen hat sich das bewahrheitet, was der ältere Bruder schon vor ein paar Jahren über den jüngeren gesagt hat: „Daniel ist viel besser als ich, er wird es weit bringen.“ Doch auch Daniel Weiß muss bei den Eisbären ganz schön ackern. Zwar ist er bei Don Jackson beliebter, was angesichts der einstigen Beziehung des Trainers zu Alexander Weiß nicht besonders schwierig ist. Dennoch spielt auch Daniel Weiß meist in einer der hinteren Reihen im prominent besetzten Berliner Team. In jeder anderen Mannschaft der Deutschen Eishockey-Liga würde er wohl mehr ausrichten können.

Will man da nicht manchmal abhauen? „Auf keinen Fall“, sagt Daniel Weiß. „Mein Ziel ist es, mich in Berlin durchzusetzen. Wer es hier schafft, schafft es überall.“ Trainer und Manager schätzen Typen wie ihn, die sich bei jedem bisschen Eiszeit aufreiben und trotz langer Vereinszugehörigkeit nicht großartig aufmucken, wenn sie mal etwas weniger spielen. Unter anderem deshalb haben sie Weiß bis 2014 an die Eisbären gebunden. Bis dahin will sich der 22 Jahre alte Angreifer ein Stückchen nach vorne spielen – in den Formationen und in der Gunst des Trainers.

Für seinen Bruder bei den Haien hofft er – nicht ganz uneigennützig – auf eine ähnliche Entwicklung. „Ich wünsche ihm, dass er nach dieser Saison noch eine weitere gute in Köln spielt“, sagt Daniel Weiß. „Vielleicht wollen ihn die Eisbären dann ja zurück.“

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