Alexander Wurz : Zehn Jahre, eine Trophäe

Alex Wurz verlässt die Formel 1. Damit endet eine der ungewöhnlichsten Laufbahnen in der höchsten Motorsportklasse: Wurz absolvierte mehr Testkilometer als jeder andere.

Christian Hönicke
071010wurz
Alexander Wurz -Foto: dpa

BerlinEs war im Juni, Alexander Wurz hatte gerade als Dritter das Siegerpodest von Montreal bestiegen, da hatte er plötzlich „dieses seltsame Gefühl“. Weil dieses Gefühl in den folgenden Monaten immer stärker wurde, hat der Österreicher nun die Konsequenzen daraus gezogen und seinen Rücktritt als Grand-Prix-Pilot erklärt. Schon beim letzten Saisonrennen wird Wurz nicht mehr im Cockpit des Williams-Toyota sitzen. Damit endet eine der ungewöhnlichsten Laufbahnen der Formel 1: In zehn Jahren nahm Wurz an gerade einmal 69 Rennen teil und holte 45 WM-Punkte – dafür absolvierte er mehr Testkilometer als jeder andere. Sechs Jahre lang drehte er abseits der Kameras für McLaren-Mercedes und Williams seine Runden und half mit seinen analytischen Fähigkeiten der Entwicklung der Autos auf die Sprünge. Profitiert haben davon die Kollegen – Wurz selbst scheiterte wieder und wieder bei dem Versuch, sich von seiner Rolle als Edel-Testfahrer zu lösen und einen Job als Rennpilot zu ergattern. Erst als er die Hoffnung fast schon aufgegeben hatte, erbarmte sich Teamchef Frank Williams und setzte ihn zu Jahresbeginn wieder ins Rennauto.

Mit seiner letzten Saison sei er „echt zufrieden“ gewesen, erklärte Wurz. Doch trotz 13 WM-Punkten und dem dritten Platz in Kanada beschlich ihn dieses Gefühl, und es trog nicht: Es war unübersehbar, dass der 33-Jährige mit dem Tempo seines jungen deutschen Teamkollegen Nico Rosberg nicht mehr mithalten konnte. Das sei ihm damals auf dem Podest von Montreal bewusst geworden: „Mir wurde langsam klar, dass mir der letzte Biss fehlt.“ Die „Summe der Energieaufwände“ habe schließlich den Ausschlag gegeben: „Ich kann einfach nicht mehr 110 Prozent geben.“

Wurz betonte, er habe sich aus freien Stücken zum Rücktritt entschieden, bestätigte aber auch, dass es Frank Williams’ Idee war, die Karriere bereits früher als geplant ausklingen zu lassen. Der Teamchef könnte sich aus verschiedenen Gründen dafür entschieden haben, im letzten Saisonrennen in Sao Paulo in eineinhalb Wochen seinen bisherigen Testfahrer Kazuki Nakajima ins Auto zu setzen. Zum Einen ließe sich so die grundsätzliche Renntauglichkeit des Japaners auf ein mögliches Engagement für 2008 hin überprüfen. Ebenfalls denkbar ist, dass Williams sein Verhältnis zum Motorenpartner Toyota pflegen will und dem vom Autobauer unterstützten Nakajima etwas Fahrpraxis für die Nachfolge des scheidenden Toyota-Piloten Ralf Schumacher verschafft. Auf die zweite Variante setzt auch Timo Glock: Der BMW-Testpilot hofft auf das freie Williams-Cockpit in der kommenden Saison.

Ganz ohne Lenkrad wird auch Alexander Wurz künftig nicht auskommen. „Ich will noch einmal die 24 Stunden von Le Mans fahren“, sagt er. Und auch wenn es für ihn nie zu einem Grand-Prix-Sieg gereicht hat, verlässt er die Formel 1 nicht ganz ohne Erfolg. Sein größter heißt Julia und arbeitete einst in der Presseabteilung von Benetton: „Meine Frau ist die größte Trophäe, die ich in zehn Jahren Formel 1 gewonnen habe.“ Christian Hönicke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben