Alkoholfreies Wochenende : Es geht auch ohne

Bundesweit findet das erste alkoholfreie Sportwochenende statt. Es wird in manchen großen Sportarten jedoch nicht nur ein alkoholfreies Wochenende, sondern auch ein sportfreies. Denn die Saison im Fußball oder Handball ist längst beendet.

Friedhard Teuffel
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Kleine Gläser sind nichts für sommermärchenhafte Nationalspieler.Foto: ddp

BerlinDer Kasten Bier gehört in manchen Disziplinen schon zur Ausrüstung dazu, bei manchen Meisterfeiern sind die Biergläser inzwischen größer als die Siegerpokale, und Teams, die ihre fußballerischen Sinne nicht ganz beisammen haben, werden gerne als Thekenmannschaften verspottet. Am Samstag und Sonntag soll der Sport daher ausgenüchtert werden, im Rahmen der Suchtwoche findet bundesweit das erste alkoholfreie Sportwochenende statt.

Es wird in manchen großen Sportarten jedoch nicht nur ein alkoholfreies Wochenende, sondern auch ein sportfreies. Denn die Saison im Fußball oder Handball ist längst beendet. Es kam daher zu einigen Unstimmigkeiten. Im Deutschen Olympischen Sportbund hieß es, die Fußballer hätten sich gegen die Aktion gesträubt. Harald Stenger, der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes, entgegnete: „Wir unterstützen die Aktion, aber wir haben keine Handlungsmöglichkeiten. Es ist eben kein Spielbetrieb.“ Der Handball-Verband Berlin beklagte sich, zu kurzfristig über das Konzept informiert worden zu sein. Am Wochenende finde nur die Trainerausbildung statt, aber wenigstens die will der Handball-Verband zur Aufklärung nutzen.

In diesem Jahr ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wieder gestiegen, und zu viel Alkohol ist gerade im Fußball und Handball ein Problem. Das hatte den beiden Disziplinen vor sechs Jahren die Wissenschaft vorgeworfen. Der Sportwissenschaftler Wolf-Dietrich Brettschneider aus Paderborn hatte in seiner vielbeachteten Vereinsstudie herausgefunden, dass besonders im Fußball und Handball Jugendliche an den Alkohol herangeführt werden. „Nirgendwo wird so viel getrunken und geraucht wie im Fußball“, hat Brettschneider auch in diesem Jahr nochmal gesagt.

Reaktionen darauf scheint es dennoch zu geben. „Wir behandeln das Thema im Rahmen unserer Qualifizierungsoffensive für die Übungsleiter“, sagt Harald Stenger. Der Übungsleiter ist die Schlüsselfigur, wenn es darum geht, der Sucht von Jugendlichen nach Alkohol vorzubeugen, die sich etwa in regelmäßigem Betrunkensein äußert. „Er lebt den Jugendlichen vor, wie Erwachsene leben, er muss Ansprechpartner sein und kann den Jugendlichen das Selbstbewusstsein vermitteln, das vor Gruppenzwang und Suchtverhalten schützt“, sagt Harald Schmid. Der frühere Weltmeisterschaftszweite über 400 Meter Hürden arbeitet heute als Botschafter für die Präventionskampagne „Kinder stark machen“ und engagiert sich auch für das alkoholfreie Sportwochenende. „Wir hoffen, dass davon ein Impuls ausgeht und viele Vereine darüber nachdenken, wie sie eigentlich mit dem Thema Alkohol umgehen“, sagt Schmid. Gut 400 Klubs haben die Informationsmaterialien angefordert und wollen sich beteiligen, auch wenn es nur mit kleinsten Formen ist wie etwa Gespräche mit Jugendlichen bei ihren Fahrten zu einem Vereinscamp.

Die Organisatoren der Suchtwoche haben sich noch andere Vorschläge ausgedacht: Dass etwa Klubs in ihrem Vereinsheim Getränke ohne Alkohol billiger anbieten sollten als Getränke mit. „Die Vereine stehen doch untereinander im Wettbewerb. Da kann ein bewusster Umgang mit dem Thema Alkohol auch zur Marktpositionierung beitragen“, sagt Harald Schmid. Eltern achteten schließlich oft genau darauf, bei welchem Verein sie ihre Kinder anmelden.

Dass Sport und Alkohol zusammengehörten, hat Schmid schon oft gehört. „Die Vereine sagen uns, dass sie bei ihren Veranstaltungen Alkohol ausschenken müssten, um überhaupt Gewinn zu machen. Aber wenn sie einmal auf Alkohol verzichten, merken sie, dass sie auch so Geld einnehmen“, sagt der ehemalige Spitzensportler. Ein Spiel- und Spaßverderber will Schmid mit seiner Suchtprävention nicht sein. „Alkohol ist in unserer Kultur fest verankert, aber er muss nicht zum ständigen Ritual des Sports gehören“, sagt Schmid, „kein Training ohne Kasten Bier, da stimmt einfach etwas nicht.“

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