Sport : All ihr Schweiß

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Robert Ide über die Faszination

der Tour de France

Nun rollen sie wieder. Und wir rollen mit: durch Dörfer und Städte, über Alleen und Pflasterstraßen, hinauf auf die höchsten Berge und hinab in die einsamsten Täler. Die Tour de France nimmt uns wieder mit auf eine Bilderreise durch Frankreich – Tag für Tag, stundenlang. Warum geben wir uns diesem Ritual der Radfahrer hin? Was fasziniert uns daran?

Klar, uns fasziniert die Härte. Dieses Zähnezusammenbeißen am letzten steilen Anstieg, dieses Ausdem-Sattel-Gehen bei 40 Grad Hitze, dieses Hinundherschaukeln der Räder kurz vor dem Ziel. Es ist der Kampf der einsamen Männer auf ihren Stahlgerippen. Sie geben all ihren Schweiß für einen Spritzer Ruhm. Kann man vom Menschen mehr verlangen?

Aber da ist noch etwas, das uns fasziniert: die Sanftheit. Dieses leise Surren des Peletons auf langen Wegen, diese stille Suche nach dem Windschatten am Hinterrad, dieses Stehenbleiben und Helfen, wenn jemand gestürzt ist. Ja, die Tour ist auch ein Mannschaftsrennen. Sie alle geben ihren Schweiß, damit möglichst viele durchkommen. Kann man mehr vom Menschen verlangen?

Natürlich wird es auch in diesem Jahr wieder Diskussionen geben – vielleicht über einen zu dominanten Titelverteidiger Lance Armstrong, vielleicht über einen neuen Dopingfall. Aber auch Skandale haben der Rundfahrt in 100 Jahren nichts anhaben können. Sie haben die Faszination fast noch gesteigert. Kann man mehr verlangen?

Die Tour ist mehr als eine Bilderreise durch Frankreich. Sie ist unser alljährlicher Spurt durchs Sommerloch.

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