Sport : All-Star-Game: Scholl wirft, Schily winkt

Benedikt Voigt

Der Filmregisseur Sönke Wortmann hat schon einmal bewiesen, dass er mit Bällen umgehen kann. Das war beim TuS Paderborn-Neuhaus, wo der Filmemacher ("Der bewegte Mann") vor einem Jahrzehnt als Fußballer in der Zweiten Liga beschäftigt war. Am Samstagabend musste er im Rahmenprogramm des All-Star-Games der Basketballer erneut seine Ball-Fertigkeiten zeigen, etwa bei einem Freiwurfduell mit Axel Schulz. Der Regisseur verlor, er traf in 60 Sekunden einmal weniger in den Korb als der Boxer. Doch Wortmann hatte seine Niederlage vorher angekündigt. "Der Axel hat geübt", sagte er, "meine Basketball-Erfahrung besteht darin, dass ich in Los Angeles einmal ein NBA-Spiel gesehen habe." Nun war es vielleicht nicht wie bei einem Spiel der Los Angeles Lakers, aber der All-Star-Day der Basketball-Bundesliga in der Max-Schmeling-Halle kam dem US-amerikanischen Vorbild im Unterhaltungswert sehr nahe. Die Liga hatte ihr alljährliches All-Star-Game unter dem Motto "Für Demokratie und Toleranz" gestellt, weshalb zahlreiche Prominente erschienen waren. Innenminister Otto Schily winkte auf der Tribüne fröhlich mit einer überdimensionierten Papier-Hand eines Sponsors. Die Stimmung des Sportministers stieg noch, als er erfuhr, dass am Nachmittag sein Lieblings-Verein Unterhaching den FC Bayern 1:0 besiegt hatte. Auch die übrigen 8000 zumeist jugendlichen Zuschauer hatten ihre Freude.

Dabei bot die Begegnung selbst gar nicht so viele spektakuläre Höhepunkte. Alba Berlins Wendell Alexis, der die meisten Stimmen der Fans bekommen hatte, blieb wegen seiner Rückenverletzung auf der Ersatzbank. "Ich weiß noch nicht, ob ich Donnerstag in Moskau spielen kann", sagte Alexis. Ohne den Topscorer des Deutschen Meisters holte sich der Leverkusener John Best den Titel als bester Spieler des All-Star-Games. Doch um Sport ging es gar nicht so sehr an diesem Abend. Es ging um Unterhaltung, weshalb das Rahmenprogramm den eigentlichen Wert des All-Star-Games ausmachte. Da gab es das Krümelmonster, das witzigste Maskottchen der Bundesliga, das sogar die Spieler auf dem Parkett ablenkte. Und da waren der Dreipunkte-Wettbewerb, den der Leverkusener Mike Hanson gewann, und der Dunking-Wettbewerb, der inzwischen zu jedem All-Star-Game gehört.

In den USA ist dieser Wettbewerb in den letzten Jahren immer langweiliger geworden. Der kleingewachsene Spudd Webb oder Michael Jordan haben dort mit ihren Siegen in den 80er Jahren die Möglichkeiten weit ausgereizt. In Berlin begeisterten die Amateure durch ihre Kreativität. Rodney Scruggs von Avitos Gießen warf den Ball in die Luft, zog sich das Hemd aus und stopfte den Ball oben ohne durch den Korb. Der Würzburger Daniel Wanjama zog sich das Trikot über den Kopf und drücke den Ball blind durch den Ring. Es siegte schließlich der Bonner Mark Miller. Der nur 1,85 Meter große Aufbauspieler sprang über einen Freund, der auf einem Stuhl saß und ihm den Ball in der Luft zum Dunking zupasste.

Nur sein Trainer hatte die spektakuläre Vorstellung verpasst. "Wer hat gewonnen?", fragte Bruno Soce später. Der Coach hat die Teilnahme seiner Spieler McMazique und Mark Miller am Dunking-Wettbewerb nicht so gerne gesehen. "Die Spieler denken, sie können alles". Soce begeistert sich eher für den reinen Sport. Ach ja, der Sport: Die All-Stars aus dem Norden besiegten die Kollegen aus dem Süden mit 112:109.

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