Sport : Alle gegen Alinghi

Mit dem Act 13 beginnt heute vor Valencia die entscheidende Phase vor dem America’s Cup

Hartmut Moheit

Berlin - Einer gegen alle und alle gegen einen – vor dem Strand von Malvarossa in Valencia rückt von heute an bis zum Freitag das Jahr 1851 wieder in den Blickpunkt. Wie beim ersten Rennen um den America’s Cup, als der Schoner America die britische Flotte beim Rennen um die Isle of Wight besiegte, werden die zwölf Hochseeyachten, die bei der 32. Auflage dabei sind, jeden Nachmittag auf einmal starten. Bei diesem Fleetracing mit sieben Rennen an vier Tagen, dem Act 13, wird zum letzten Mal der Cupverteidiger Alinghi auf seine möglichen Herausforderer treffen. „Da werden alle versuchen, sich gegen uns Selbstvertrauen zu holen“, sagt Jochen Schümann, der Alinghi-Sportdirektor und dritter Skipper, „aber auch wir haben die Chance, uns unter Wettkampfbedingungen zu testen. Ich glaube nicht, dass ein Team beim Act 13 etwas in der Hinterhand behält.“

Vor allem für die fünf kleinen Mannschaften mit nur einer neuen Yacht kommt Act 13 einer Standortbestimmung gleich, weil erstmals Geschwindigkeitsvergleiche mit der Konkurrenz möglich sind. Alinghis Chefdesigner Rolf Vrolijk erklärt: „Die kleinen Teams müssen jetzt schon seriös zeigen, was sie haben.“ Die großen können sich weitere Veränderungen leisten. Insgesamt waren bei 18 Yachten am sogenannten „Unveiling Day“ die Hüllen gefallen. Große Überraschungen waren dabei am vergangenen Sonntag bei den bis zu vier Millionen Euro teuren Cup-Yachten ausgeblieben. Das war auch beim südafrikanischen Team Shosholoza so, das am Samstag zur öffentlichen Enthüllungszeremonie mit Taufpatin und Valencias Bürgermeisterin Rita Barbera eingeladen hatte.

Das Team Germany hat mit der „Germany I“ nur ein Boot zur Verfügung. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um möglichst gut abzuschneiden“, sagt Skipper Jesper Bank deswegen, zumal bei den Trainingsrennen gegen einige Konkurrenten in den letzten Wochen nur wenige Erfolge erreicht wurden. Das passierte allerdings jeweils beim Match Race, in Vergleichen gegen ein anderes Boot. Beim Fleetrace rechnen sich die Männer auf der „Germany I“ mehr aus, allein schon wegen der großen Erfahrung ihres Steuermanns Jesper Bank. Ein Vorderplatz in der Gesamtwertung nach dem Act 13 lohnt sich gleich in zweifacher Form: Nicht nur, dass die Besten beim am 16. April beginnenden Louis Vuitton Cup zunächst gegen ein schwächeres Team segeln können, vor dieser Herausfordererrunde werden bereits Bonuspunkte vergeben. Der Erste bekommt vier Zähler, was immerhin zwei Match-Race-Siegen entspricht. Die Crews auf den Rängen zwei bis vier starten mit drei, die auf den Plätzen fünf bis sieben mit zwei, und die drei letzten mit einem. Vor allem für das United Internet Team Germany wird es darauf ankommen, den derzeit noch vorletzten Platz zu verbessern (siehe Grafik).

Obwohl die Alinghi-Segler beim anschließenden Vuitton Cup auf das Training der zwei eigenen Boote untereinander angewiesen sind, ansonsten wie normale Zuschauer das Geschehen verfolgen können, herrscht im Lager der Schweizer fast grenzenloser Optimismus vor. Bei der Präsentation zeigte der Topfavorit wie schon bei der vergangenen Cup-Auflage in Neuseeland die ausgewogenste Kombination von Rumpf, Kiel und Ruder. 2003 hatte Alinghi den 31. America’s Cup mit 5:0-Siegen gegen Neuseeland gewonnen und damit den Cup nach 152 Jahren wieder zurück nach Europa gebracht.

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