Sport : Alle gegen Ivanhowe

Das Derby in Hamburg kennt nur einen Favoriten.

Ulrich Nickesen

Berlin - Soll man Christian Demuro um seine Aufgabe an diesem Sonntag beneiden? Der italienische Jockey reitet heute beim Deutschen Galopp-Derby in Hamburg auf dem besten Pferd: Ivanhowe. Eine schöne Sache einerseits. Andererseits erwarten alle von ihm den Sieg im Derby, das mit 500 000 Euro dotiert ist, 300 000 davon bekommt der Sieger. Alles andere als ein Triumph wäre eine Enttäuschung.

Warum alle an diesem Sonntag auf einen Sieg Ivanhowes setzen, hatte das von Wilhelm Giedt trainierte Pferd zuletzt durch einen eindrucksvollen Sieg im Union-Rennen gezeigt, dem wichtigsten Derbytest über 2200 Meter in Köln. Und für das Derby auf dem 2400 Meter langen Oval wurde Ivanhowe nun die Startbox Nummer eins ausgelost. Alles scheint für Ivanhowe zu sprechen. Als ob es es nichts Leichteres gäbe, als auf der Bahn in Hamburg-Horn zu gewinnen.

Doch die Risiken des nur den dreijährigen Hengsten und Stuten vorbehaltenen Rennens sind unkalkulierbar. Jeder Besitzer, Jockey, Trainer oder Züchter möchte dieses Rennen zu gerne einmal gewinnen. Für das Gestüt Schlenderhan wäre ein Sieg Ivanhowes bereits der 19. Erfolg in dieser Prestigeprüfung des deutschen Vollblutsports. Das Gestüt und das Horner Moor sind untrennbar miteinander verbunden. Im Jahr 1869, als das Derby zum ersten Mal ausgetragen wurde, gründete auch in Bergheim an der Erft die Familie von Oppenheim ihr Privatgestüt. Knapp vier Jahrzehnte später stellte die Zuchtstätte ihren ersten Sieger.

Die Konstanz, mit der das älteste Privatgestüt Deutschlands regelmäßig international herausragende Vollblüter züchtet, ist keineswegs selbstverständlich. Es ist immer auch Glück, von dem in erster Linie der Züchter und nachgeordnet Trainer und Jockeys profitieren. Der Zufall des Zuchtproduktes ist die Grundlage für außergewöhnliche Karrieren. Immer noch bewahrheitet sich: Gute Pferde machen gute Jockeys.

Dass der Umkehrschluss nicht gilt, zeigt sich am Beispiel des Jockeys Lanfranco „Frankie“ Dettori, der heute auf dem Außenseiter Bermuda Reef in die Startboxen einrücken wird. Der Star der vergangenen zwei Jahrzehnte fand sich nach seiner Entlassung aus dem größten Rennstall der Welt, dem Godolphin-Imperium von Scheich Mohammed aus Dubai, in der dritten Liga des Turfs wieder; seine Bilanz wird dadurch zwar relativiert, aber nicht geschmälert. Auch gute Pferde gewinnen ihre Rennen nicht von selbst. Ulrich Nickesen

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