Sport : Alle gegen Mosley

Autohersteller beraten über Zukunft der Formel 1

Karin Sturm

Silverstone - Am Wochenende findet in Silverstone der Große Preis von Großbritannien statt, doch die gesamte Aufmerksamkeit der Formel 1 konzentriert sich momentan auf einen Ort, der gar kein Rennen veranstaltet: München. Dort trafen sich am Mittwoch die Vertreter der Automobilhersteller in der Formel 1. Offiziell, um ihre Gegenvorschläge zu den Regelentwürfen des Präsidenten des Automobil-Weltverbands (Fia), Max Mosley, für die Saison 2008 zu konkretisieren. Dass dabei auch die Pläne für eine Konkurrenz-Rennserie thematisiert wurden, darf angenommen werden. Seit Jahren drohen die Hersteller mit diesem Schritt, wenn sie nach Ablauf des Formel-1-Rahmenvertrags Ende 2007 nicht mehr Geld und Macht erhalten sollten.

Die immer größer werdenden Differenzen mit Mosley bestärken sie in dieser Haltung noch. Auch wenn keine Details aus München an die Öffentlichkeit drangen, wurde – Gerüchten zufolge – als geeignetste Problemlösung eine Abwahl Mosleys im Herbst 2005 bei den Fia-Wahlen ins Auge gefasst. Danach könnte ein den Herstellern gewogenerer Nachfolger installiert werden. Auf dieses Ziel arbeiten die Konzerne offensichtlich schon seit einiger Zeit mit intensiver Lobbyarbeit hin.

Der Augenblick für einen Machtwechsel ist so günstig wie nie. Max Mosley hat es geschafft, mit seinen Alleingängen so ziemlich die gesamte Formel 1 außer dem Ferrari-Rennstall gegen sich aufzubringen. Beim Rennen in Frankreich am vergangenen Wochenende stellte sich plötzlich sogar ein alter Freund, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, auf die Seite der Michelin-Teams und damit letztlich der Hersteller. Nach dem Skandalrennen von Indianapolis hatte Mosley mit selbst für ihn ungekannter Härte den Startverzicht der vom Reifenlieferanten Michelin ausgestatteten Teams verurteilt.

Auch die Mehrheit der Formel-1-Piloten hat sich von Max Mosley abgewandt. Auslöser war die von 19 Piloten unterzeichnete Solidaritätsbekundung mit den Michelin-Teams. Mosley drohte daraufhin dem Fahrergewerkschaftssprecher David Coulthard damit, die Unterstützung für die Bemühungen um bessere Sicherheitsmaßnahmen bei Testfahrten zurückzuziehen. Nachdem Mosley dann auch noch ein geplantes Treffen mit den Fahrern absagte, gingen die Piloten in die Offensive. Sie verfassten einen offenen Brief, der ihre Sorge darüber ausdrückte, dass nun auch Sicherheitsthemen zum Spielball der Politik werden.

Unter diesen Umständen scheint eine Lösung der Probleme mit Mosley an der Fia-Spitze kaum noch möglich. Die Hoffnungen ruhen nun auf Bernie Ecclestone, der seinen alten Freund vielleicht dazu bringen könnte, sich zumindest aus der Verantwortung für die Formel 1 zurückzuziehen – wenn er sich nicht vorher mit ihm verkracht.

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