Sport : Alle in einem Boot

Nach der Pleite bei Olympia 2008 bündelt der deutsche Segelsport die Kräfte

Sina Steinmann[Kiel]
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Herausragend. Die Brüder Jan-Peter (hinten) und Hannes Peckolt retteten in Peking in der 49er-Klasse den deutschen Segelsport mit...

Lucas Zellmer ist gut drauf. Nach seinem verpatzten Olympiaeinsatz 2004, der knapp verfehlten Qualifikation für die Spiele 2008 und einem Jahr Wettkampfpause verläuft das Comeback des Berliners vielversprechend: Vor zwei Wochen wurde er mit Vorschoter Heiko Seelig Vize-Europameister. Bei der Kieler Woche liegt er mit der neuen 470er-Jolle namens „Pettersson“ in Führung. Zellmers Kinder hatten das neue Boot nach der kauzigen Opa-Figur aus der Kinderbuch-Serie „Pettersson und Findus“ benannt und ihrem 30 Jahre jungen Vater frech gesagt: „Du bist schon so alt. Deswegen heißt dein Boot Pettersson.“

Tatsächlich gehört Zellmer zu den wenigen bekannten Gesichtern des deutschen olympischen Segelsports, die seit mehr als einem Jahrzehnt dabei sind und immer noch hohe Ziele anpeilen. Die Bestandsaufnahme zum Auftakt seiner dritten Olympiakampagne: „Segeln ist ein Erfahrungssport und Erfahrung setzt sich durch. Aber das, was da im 470er nachkommt, ist auch nicht von Pappe.“ Soll heißen: Der Nachwuchs drängt nach oben. „Für Olympia 2016“, sagt Zellmer, „stehen wir nicht mehr bereit, aber für 2012 wollen wir noch einmal alles geben.“

Der Umbruch im deutschen Segelsport hat viele Namen: Bei den Windsurferinnen auf dem RS:X-Brett heißt er Moana Delle. Die 20 Jahre junge Kieler Studentin und Jugendweltmeisterin will sich wie Zellmer für 2012 qualifizieren. „Ich muss natürlich die Kriterien erfüllen und habe mit Amelie Lux und Romy Kinzl zwei ernst zu nehmende Gegnerinnen, aber Zielsetzung ist die Olympiateilnahme.“

Bei den 470er-Frauen ist die Wachablösung erfolgt. Bekannte Teams wie die Olympiateilnehmerinnen Rothweiler/Kussatz sind vom olympischen Horizont verschwunden. Junge Mannschaften wie die Berlinerinnen Aninna Wagner/Marlene Steinherr oder Annika Bochmann/Anika Lorenz sollen die Lücke schnell schließen. In der rasanten Highperformance-Jolle 49er schien es nach dem Rücktritt der umjubelten Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in China gar ein Vakuum zu geben. Doch inzwischen sind die Nachfolger aus dem Schatten der Brüder Jan-Peter und Hannes Peckolt getreten und mischen in der Weltspitze mit. Die designierte DSV- Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, die im Herbst offiziell das Amt des scheidenden Hans Sendes übernehmen soll, sagt: „Diese Disziplin ist bereits auf unserer Haben-Seite zu notieren.“

Auf neuer Erfolgswelle segeln die deutschen Teams in der ältesten Olympiadisziplin Starboot: Mit fünf Mannschaften in den Top Ten des Weltklassefeldes ist den schweren Jungs ein fulminanter Start in die Kieler Woche gelungen. „Die Stare glänzen schon seit Saisonbeginn mit Top-Platzierungen“, sagt Stegenwalner, „ich hoffe, dass sie diese Leistungen auch in zwei Wochen bei der Europameisterschaft vor Kiel zeigen können.“

Ein Problem aber teilen die Starbootsegler mit allen anderen Kaderseglern: Ihre Budgets sind zu knapp, Sponsorengelder immer schwieriger zu sichern. Während eine erfolgreiche olympische Starboot- Crew in England pro Jahr mit rund einer halben Million Pfund, also knapp 600 000 Euro, operieren kann, muss die deutsche Konkurrenz mit Bruchteilen dieser Summe zurecht kommen. Bis zu 35 Millionen Euro stand der erfolgreichsten Segelnation der Welt zwischen 2006 und 2008 zur Vorbereitung auf Olympia zur Verfügung. Tendenz: Mit Blick auf die olympische Regatta im Heimatrevier vor Weymouth 2012 steigend. Die deutschen Aktiven müssen mit weniger als einem Zehntel der Summe auskommen.

Angesichts der Medaillenpleite in Athen 2004 und nur einmal Bronze in China steht die einst so erfolgreiche deutsche Segelnation unter Druck. Die neue Initiative Sailing Team Germany will die Trendwende einläuten und Seite an Seite mit dem Deutschen Segler-Verband und Vereinen Millionen-Beträge für die Segler einwerben. „Wir wollen eine einheitliche Nationalmannschaft formieren“, sagt der Initiator und ehemalige Tornado- Weltmeister Oliver Schwall. DSV-Präsident Rolf Bähr begrüßt das Engagement, das auch von Olympiasieger und America’s-Cup-Gewinner Jochen Schümann unterstützt wird. „Die bundesweite Bündelung aller Kräfte ist die richtige Idee. Nur so bringen wir den Segelsport wieder nach vorne“, hofft DSV-Präsident Bähr.

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