Sport : Alle Macht dem Trainer

Christoph Daum drohte dem 1. FC Köln mit Kündigung – und stärkt damit seine Position

Jörg Strohschein[Köln]

Der 1. FC Köln ist bescheiden geworden. Praktisch über Nacht, einfach so. Dieser rheinländische Fußball-Zweitligist, der sich nostalgiebehaftet trotz seiner ständigen Auf- und Abstiege der letzten Jahre stets für etwas Besseres gehalten hatte, will sich von jetzt an zurücknehmen. Die Forderung nach mehr „elitärer Arroganz“, die Manager Michael Meier im vergangenen Jahr angemahnt hatte, soll sich in bisher nicht gekannte Genügsamkeit verwandeln. Zu verdanken haben sie die plötzliche Veränderung der Wahrnehmung Christoph Daums. Der 53-Jährige ist nicht nur Trainer, sondern auch zum Chefideologen der Kölner aufgestiegen. Und um diese Position zu untermauern, hatte Daum seinen Job in die Waagschale geworfen. Den Vierjahresvertrag, den Daum unter großem Brimborium und mit der Aura eines Heilsbringers erst im November vergangenen Jahres unterschrieben hatte, drohte er zu kündigen. Trotz seines erstaunlichen Misserfolgs (sechs Siege aus 17 Spielen).

Es ist Daum in einer vierstündigen Aussprache mit der Klubspitze gelungen, seine Forderungen und Vorstellungen durchzusetzen. Deshalb macht er in Köln weiter. Zum einen erhält er mindestens sieben neue Profis, der Klub hat ihm dafür rund 8,5 Millionen Euro bereitgestellt. Zum anderen soll seine Mannschaft in der anstehenden Saison in der Außendarstellung nicht als Aufstiegsfavorit gelten, was einen groben Einschnitt in das Selbstverständnis des Klubs darstellt. Der derzeit reichste Verein der Liga, mit dem teuersten Kader und einem Trainer mit einem Gehaltsniveau, das weit über dem der meisten seiner Erstligakollegen angesiedelt ist, will „am Ende oben dabei sein“, wie Präsident Wolfgang Overath sagte. Dies ist das Ergebnis eines „freundschaftlichen Gesprächs“, zu dem der Trainer seinen Anwalt mitgebracht hatte. Das spontane Umsetzen dieser Sprachregelung dürfte Daum allerdings gefreut haben.

Die Klubverantwortlichen um Wolfgang Overath haben sich den Sehnsüchten Daums wieder einmal gefügt. Vielleicht trauen sie ihrem Wunschtrainer den Aufstieg in der nächsten Saison tatsächlich zu. Doch das frühzeitige Ende des Daum’schen Engagements wäre wohl die Krönung sämtlicher Fehleinschätzungen, die die Klubspitze während ihrer Amtszeit ausgezeichnet hat. Weil Daum dies zu wissen scheint, stellt er weiter munter und unbescheiden Forderungen und bekommt sie auch erfüllt. Diese Narrenfreiheit will er auch nutzen, um seinen derzeit ramponierten Ruf als Erfolgstrainer wieder aufzupolieren. Denn sportlich ist auch Daum in der Realität angekommen.

Dass Overath immer häufiger ins Tagesgeschäft des Lizenzspielbetriebs eingreift, trifft im FC-Verwaltungsrat auf Unverständnis. Es soll dort Bestrebungen geben die Aufgaben von Ovarath und seinen Vizepräsidenten neu zu definieren.

Christoph Daum jedenfalls frohlockte über seine gestärkte Machtposition und sagte: „Nach diesen klaren Absprachen und dem gemeinsam erarbeiteten Konzept mit Präsident Wolfgang Overath, Michael Meier und Claus Horstmann kann ich mit vollem Optimismus nach vorne sehen.“ In aller Bescheidenheit.

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