Sport : Alle Macht für Klinsmann

Der neue Trainer der USA hat sich wieder große Befugnisse zusichern lassen

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Neuer Antreiber. Jürgen Klinsmann soll die USA zur WM 2014 führen. Foto: dapd
Neuer Antreiber. Jürgen Klinsmann soll die USA zur WM 2014 führen. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Jürgen Klinsmann hat sich rar gemacht in Deutschland, seitdem er vor zwei Jahren als Trainer beim FC Bayern München entlassen worden ist. Anfang dieser Woche aber hat er sich in einem Interview mit dem „Kicker“ erstmals seit langem wieder ausführlich zu Wort gemeldet, über seine Zeit in Deutschland und seine aktuellen Projekte geredet, „alles im Hintergrund, ohne Öffentlichkeit“. Bei dieser Gelegenheit wurde Klinsmann auch gefragt, ob er auf die Trainerbank zurückstrebe. „Nein, ich bin nicht aktiv auf der Suche nach einem Trainerjob“, antwortete er, „wobei ich weiß, dass im Fußball immer schnell Dinge über Nacht passieren können.“ Am Donnerstag war es so weit: Da trennte sich der amerikanische Fußballverband von Nationaltrainer Bob Bradley, am Freitag präsentierte er Jürgen Klinsmann als dessen Nachfolger.

Schon zweimal hatte Jürgen Klinsmann mit den USA verhandelt, doch jeweils war der US-Fußballverband nicht bereit gewesen, ihm weitreichende Macht einzuräumen. Das soll nun anders sein. „Klinsmann bekommt die Schlüssel für den US-Fußball ausgehändigt“, schreibt die Zeitschrift „Sports Illustrated“. Und der TV-Experte und frühere Bundesliga-Spieler Eric Wynalda sagt: „Der Deal kam nur zustande, weil der US-Verband nach langem Zögern bereit war, Macht abzugeben.“ Schon bei seinem Engagement für den Deutschen Fußball-Bund hatte sich Klinsmann weitreichende Kompetenzen zusichern lassen. In den USA darf er nun demnächst entscheiden, wer die Trainerposten bei der U23- und U20-Nationalmannschaft übernimmt. Es wird auch erwartet, dass er die Strukturen umkrempeln wird. Zum Beispiel das Scouting-System. Klinsmann habe die Erfahrung und das Wissen, „um unser Programm voranzubringen“, sagt US-Fußballverbandschef Sunil Gulati.

„Ich fühle mich stolz und geehrt, zum Nationaltrainer der US-Männermannschaft ernannt worden zu sein“, ließ Klinsmann in einer Erklärung des Verbandes mitteilen. Er soll die Amerikaner nun mindestens zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien führen, über die Dauer seines Vertrages wurde nichts Näheres mitgeteilt.

Erstmals wird Klinsmann, der am Samstag seinen 47. Geburtstag feierte, die Amerikaner am 10. August in einem Testspiel gegen Mexiko in Philadelphia betreuen. Für den Wahl-Kalifornier ist es das dritte Engagement als Trainer, das zweite als Nationalcoach. Mit der deutschen Nationalmannschaft erreichte er immerhin Platz drei bei der Heim-WM. Bei den Bayern scheiterte Klinsmann jedoch und wurde vor Ablauf seiner ersten Saison unehrenhaft entlassen.

Klinsmann lebt mit seiner Familie seit Jahren in den USA. Auch als Bundestrainer hat er seinen Lebensmittelpunkt in Kalifornien nicht aufgegeben, weil er dort nicht permanent im Fokus der Öffentlichkeit steht. Der interessierten Öffentlichkeit war Klinsmann aber auch im Fußball-Entwicklungsland USA schon länger ein Begriff. Das führende Magazin „Sports Illustrated“ hat ihm einmal eine große Geschichte gewidmet, in der ein prophetischer Satz zu lesen war: „Wenn man jemanden sucht, der Amerikaner dazu veranlassen soll, sich für Fußball zu begeistern, oder Deutschland in der Welt beliebter zu machen – Klinsmann wäre die perfekte Wahl dafür.“ Das war 1993, ein Jahr, bevor die USA die Fußball-WM ausrichteten.

Ein paar Jährchen und eine WM in Deutschland später lässt sich feststellen, dass die Vorhersage von einst nicht ganz an der Realität vorbeigegangen ist. Die Weltmeisterschaft 2006 hat auch das Bild von Deutschland in der Welt und die Deutschen selbst verändert. Mindestens den deutschen Fußball aber. Klinsmann hatte der Mannschaft, die nicht über allzu große Qualitäten verfügte, einen fast übersinnlichen Glauben an ihre Stärke vermittelt. Und mit jedem Sieg glaubten die Spieler mehr an sich und die Machbarkeit ihres Unterfangens, nämlich Weltmeister zu werden.

Etwas Ähnliches wird nun auch dem amerikanischen Fußball-Verband vorschweben. (mit dpa)

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