Sport : Alle meine Gänschen

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Michael Rosentritt über die Sorgen des Münchner Managers Uli Hoeneß

Uli Hoeneß ist ein schlauer Manager. Immer dann, wenn es seiner Mannschaft vom FC Bayern München besonders gut geht, geht er dagegen an. „Unsere Sorge ist jetzt, dass da zu viele Gänse gegessen werden“, sagte Uli Hoeneß, nachdem die Bayern so souverän das obere Ende der Bundesligatabelle verteidigt hatten. Acht Punkte beträgt ihr Vorsprung auf die restliche Gesellschaft, die vor lauter Rat und Mutlosigkeit zur Meisterschaft gratuliert. Dortmund, Bremen und Schalke haben einfach nicht die Mittel gefunden, um den Bayern gefährlich werden zu können. Von Hertha BSC ganz zu schweigen. Die Berliner können es nicht nur nicht, sondern, so scheint es, die wollen es nicht mal mehr können.

Die Bayern sind Herbstmeister. Dieser inoffizielle Titel gilt als gutes Omen für den Ausgang der deutschen Meisterschaft. Seit Gründung der Bundesliga 1963 wurde in 39 abgelaufenen Spielzeiten 26 Mal die Mannschaft Meister, die auch schon nach der ersten Hälfte der Saison an der Tabellenspitze lag. Der Rekordmeister aus München ist auch in der Herbstmeister-Statistik vorn: Die Bayern beendeten 13 Mal die Hinrunde als Tabellenerste, nur zweimal wurden sie in der Rückrunde noch abgefangen: 1970/71 von Gladbach, 1992/93 von Bremen.

Die Bayern sind Herbstmeister. Andere nennen sie Wintermeister. Oder gar Weihnachtsmeister? Eigentlich gibt es nichts, was sie ablenken könnte vom Gewinn der Meisterschaft. International sind sie nicht mehr vertreten und der DFB-Pokal läuft erst ab Februar wieder. Wäre da bloß nicht dieses Weihnachtsfest mit all seinen Verlockungen. Die Profis könnten es sich so richtig gut gehen lassen. Ein Boxkampf hier, ein zu langer Besuch der P1 da und zwischendrin ein, zwei Gänse. Genau das passt dem Uli Hoeneß nun gar nicht in die Rechnung. Mag sein, dass ihm wirklich an der Meisterschaft gelegen ist. Vielleicht ist er aber bloß viel schlauer als wir denken, privat-wirtschaftlich gesehen. Uli Hoeneß ist nämlich Wurstfabrikant.

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