Sport : Alle mitgerissen

Der Berliner Hockey-Club ist Deutscher Meister

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es waren gut gelaunte Mitreisende, die gestern Abend von Köln nach Berlin-Tegel flogen. „Die haben eigentlich alles mitgemacht“, sagte Natascha Keller, die Stürmerin des Berliner Hockey-Clubs. Aufstehen mussten die Passagiere und dann die Hände zum Himmel strecken – und natürlich fröhlich sein. Denn der BHC hatte das Finale um die deutsche Meisterschaft soeben 2:1 (0:1) gegen den Hamburger Club an der Alster gewonnen. Die Berlinerinnen verteidigten ihren Titel damit. „Das war auf jeden Fall schwieriger als die Meisterschaft im Vorjahr“, sagte Teammanager Horst Buhr. Dementsprechend ausgelassen wurde bereits im Flugzeug gefeiert. Später zogen die Spielerinnen zum Tanzen und Singen ins Klubhaus an der Zehlendorfer Wilskistraße weiter.

Das Finale gegen die Hamburgerinnen vor über 700 Zuschauern war ein Spiegelbild der gesamten Saison: Anfangs hatten die Berlinerinnen Schwierigkeiten, am Ende überzeugten sie. Laura Lemke brachte den Club an der Alster in Führung, bis zum Ende der ersten Halbzeit blieb es bei diesem Spielstand. Dann aber erhöhte der BHC den Druck. Zuerst gelang Natascha Keller der Ausgleich nach einem Zuspiel von Britta von Livonius, die später zur wertvollsten Spielerin der Endrunde gewählt wurde. Dann traf die seit Wochen in überragender Form spielende Lea Loitsch per Sieben-Meter. „Das war ein Sieg des größeren Willens. Mein Team hat nach dem Rückstand toll zurückgefightet und die Partie verdient umgebogen“, sagte BHC-Trainer Safi Khalil.

Nach einem mäßigen Start in die Saison hatten nicht viele damit gerechnet, dass der BHC noch einmal ganz oben angreifen kann. „Der Umbruch, den wir vornehmen mussten, hat gut funktioniert“, sagte Teammanager Buhr. Kurz nach dem Gewinn der Meisterschaft 2005 hatte Trainer Andreas Keller aufgehört. Zudem verließen die beiden Leistungsträgerinnen Eileen Hoffmann und Lina Beyer den Verein. „Wir haben einige Rückschläge weggesteckt“, sagte Buhr.

Mit dem Gewinn der Meisterschaft ist der BHC für den Europapokal der Landesmeister in der kommenden Saison qualifiziert und „erntet damit den Sekt“, wie Buhr sagt. Bei dem Turnier, das der BHC vor vier Wochen selbst ausgerichtet hatte, erreichten die Berlinerinnen den dritten Platz. Damit hielten sie nicht nur die erste europäische Klasse für den deutschen Vertreter, also für sich selbst, sondern sie verhinderten auch ein Duell mit dem holländischen Dauersieger s’Hertogenbosch in der Vorrunde.

Natascha Keller wollte gestern nicht mehr an die nächste Saison denken. „Irgendwann in der nächsten Zeit müssen wir uns zusammensetzen und darüber sprechen, wie es weitergeht. Aber nicht heute.“

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