Sport : Alle paar Jahre mal ein Unentschieden

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Es gibt viele Rekorde, auf die man in diesem winzigen Kleinstaat auf den Hügeln oberhalb von Rimini stolz ist. So heißt beispielsweise in dieser Enklave der Staatspräsident „Capitano Reggente“, der „amtierende Kapitän“ oder Volkstribun, und ist nur ein halbes Jahr im Amt. Dann wird rotiert. Die älteste republikanische Staatsform der Welt ist zudem dafür bekannt, dass sie so viele Elemente der direkten Demokratie enthält wie kein anderes Land.

Die 30 000 Einwohner des 61,5 Quadratkilometer großen Staates leben vom Tourismus, vom Verkauf von Briefmarken und davon, dass sich hier Kapitalgesellschaften ansiedeln. Sie profitieren von den günstigen Steuersätzen, die besser als im großen Nachbarstaat Italien sind. Nicht zuletzt deswegen verlegten viele Rennställe des Radrennsports ihren Hauptsitz hierher. Das Highlight des Sportjahres war bis zu diesem Jahr der Große Preis von San Marino, den die Formel 1 allerdings jährlich auf italienischem Terrain organisiert hat – in Imola. Obwohl ein Landesteil San Marinos erstaunlicherweise „Titano“ heißt, Titan, ist für eine Formel-1-Strecke nun wahrlich kein Platz. Schließlich fasst auch das Olympiastadion, in dem die DFB-Elf spielen wird, gerade einmal 5300 Zuschauer.

Fußball ist in der ältesten Republik der Welt, die am Montag den 1705. Jahrestag ihrer Gründung im Jahr 301 feierte, gemessen an der Geschichte eine Neuheit. Die „Federazione Sammarinese Giuco Calcio“ wurde 1931 gegründet. Erst seit 1988 gehört San Marino dem Weltverband Fifa und dem Europäischen Fußballverband Uefa an. In der Fifa-Weltrangliste liegt San Marino, das flächenmäßig kleinste Mitglied, auf Rang 191, hinter Puerto Rico und vor den Philippinen. Die Gesamt-Bilanz der EM-Qualifikation: 34 Spiele, 34 Niederlagen, 4:143 Tore.

Gegen Spanien unterlag San Marino schon mal 0:9, gegen Belgien 1:10. Um so größer ist die Freude, wenn alle paar Jahre ein Unentschieden gelingt. In die Annalen eingegangen ist das 0:0 in der WM-Qualifikation 1993 gegen die Türkei. Seither errang San Marino nur in einem weiteren Pflichtspiel einen Punkt: 2001 beim 1:1 in Lettland. Drei Jahre später durften die Fußballer schließlich ihren bislang einzigen Sieg bejubeln: das 1:0 gegen Liechtenstein durch Andy Selva – in einem Testspiel. Der Kleinstaat hält aber auch einen erstaunlichen Rekord: Davide Gualtieri traf 1993 in Bologna nach nur 8,3 Sekunden in der WM-Qualifikation gegen England, das allerdings noch 7:1 siegte. Es war das schnellste Tor in einem Fifa-Pflichtspiel.

Nur drei Spieler aus San Marino sind Profis, sie spielen für italienische Drittligisten beziehungsweise für das Klubteam San Marino Calcio, das ebenfalls in der Serie C antritt. Kaum bekannter als seine Spieler ist der 50 Jahre alte Nationaltrainer Giampaolo Mazza. Er übernahm den Posten 1998 von Massimo Bonini. Der allerdings ist über San Marinos Grenzen hinaus bekannt. Mit Juventus Turin wurde er als Spieler in den Achtzigerjahren mehrfach italienischer Meister.

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