Sport : Alle sehen Rot

Wie sich die Formel 1 auf die neue Saison vorbereitet

Christian Hönicke,Hartmut Moheit

Von Christian Hönicke

und Hartmut Moheit

Berlin. Ist Ferrari jetzt weiß? Oder weiß-rot? Oder weiß-blau? Natürlich nicht. Ferrari, das überlegene Formel-1-Team der letzten Jahre, fährt weiter mit roten Autos. Allerdings ist bei den anderen Teams nach 15 Ferrari-Siegen in 17 Rennen im Jahr 2002 Panik ausgebrochen. Sie führte dazu, dass sich fast alle beim Bau der Boliden für die Saison 2003 am roten Vorbild orientierten. Also muss sich niemand wundern, wenn beim Saisonauftakt am 9. März in Melbourne ein Rennauto aussieht wie das andere. Eine Ausnahme gibt es allerdings – Ferrari. Denn während die Konkurrenz beim alten Modell F2002 klaut, haben die Italiener schon das neue Auto in der Hinterhand. Angesichts dieses Vorsprungs von einem Jahr ist eine spannendere Saison als die letzte kaum realistisch. Aber vielleicht bringen ja die Regeländerungen (neues Punktsystem, neuer Qualifikationsmodus) die Spannung zurück in die Formel 1. Die Formel 1 – ein ewiger Kreislauf? Wie jedes Jahr sollen große Töne Sponsoren ermuntern, Fans beruhigen und Gegner verunsichern. Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage: Wie sieht es bei den Teams, vor allem bei den Verfolgern, wirklich aus?

Toyota: Den ersten Ferrari-Nachbau präsentierten die in Köln ansässigen Japaner. „Unser Ziel ist es, regelmäßig Punkte zu holen“, sagt Teamchef Ove Andersson. Das ist dem Team mit dem nahezu unbegrenzten Budget auch zuzutrauen, zumal es in dieser Saison erstmals für die besten acht Punkte gibt. Schließlich holte es 2002 in seiner ersten Formel-1-Saison gleich zwei Punkte – wenn auch „mit Glück“, wie Andersson zugibt. Darauf will man sich dieses Jahr nicht verlassen. Deshalb baute man einen noch stärkeren Motor und verpflichtete zwei neue Piloten: den erfahrenen Olivier Panis und den Cart-Meister Cristiano da Matta.

Williams-BMW: Auch hier hat man sich an Ferrari orientiert. „Der neue Wagen wird optisch große Parallelen mit dem Super-Auto der letzten Saison haben“, sagt Ralf Schumacher. Das Chassis soll viele Ferrari- Elemente enthalten. Teamchef Frank Williams: „Wir wären doch dumm, wenn wir nicht jede Maßnahme ergreifen würden, um Ferrari zu schlagen.“ Damit meint er wohl auch die Abwerbung einer Aerodynamikerin aus dem Ferrari-Lager. Dem Team ist am ehesten ein Angriff auf Ferrari zuzutrauen, wenn auch wohl noch nicht in diesem Jahr. Von großer Bedeutung für eine langfristige Aufholjagd wäre die Entscheidung des BMW-Vorstands, den 2004 auslaufenden Vertrag mit Williams zu verlängern.

McLaren-Mercedes: Den Fehler des letzten Jahres will man nicht wieder begehen. Damals hatte sich McLaren als Titelkandidat präsentiert – und stürzte böse ab. Diesmal hört man nichts, es gibt nicht einmal eine offizielle Präsentation des neuen Wagens. Soll das heißen, dass man mit McLaren rechnen muss? Eher nicht, denn das Team wird sein neues Auto laut „Bild am Sonntag“ erst beim fünften Saisonrennen zum Einsatz bringen. Und wie gut das alte ist, hat man ja gesehen.

Renault: Das Potenzial ist vorhanden, McLaren-Mercedes als drittbestes Team anzugreifen. Ob es schon dieses Jahr klappt, hängt vor allem davon ab, ob der neue Pilot Fernando Alonso wirklich über das ihm nachgesagte große Talent verfügt.

BAR: Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Auch BAR hat den Ferrari-Bausatz benutzt, zudem hat sich Motorenlieferant Honda auf das Team spezialisiert. Erfolge müssen her. Das weiß auch der frühere Weltmeister Jacques Villeneuve, der wie jedes Jahr „den besten BAR aller Zeiten“ ankündigte. Doch er weiß auch: Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, wird man weder ihn noch BAR mehr ernst nehmen. Beide haben für diesen Fall schon vorgesorgt. BAR soll demnächst umbenannt werden – vielleicht läuft es ja mit einem neuen Namen besser. Und Villeneuve will aus der Formel 1 zurücktreten. Sein Manager Craig Pollock hat ein Team in der US-Cart-Serie erworben. Dort fuhr Villeneuve schon einmal. Und hatte sogar Erfolg.

Sauber: Das neue Auto ist schon fertig, Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen haben bereits die ersten Kilometer problemlos absolviert. Man hat eine völlig neue Aerodynamik entwickelt, die sich aber – Überraschung – nicht an Ferrari orientieren soll. Teamchef Peter Sauber: „Hier wurde nichts geklont. Es ist alles neu, die Unterschiede klar sichtbar.“ Ein bisschen Italien steckt aber doch im Sauber. Im Heck röhrt der Ferrari-Motor von 2002.

Jordan: Zwar hat der finanziell angeschlagene Rennstall jetzt Ford-Motoren, doch ob die besser sind als die Honda-Aggregate der letzten Saison, kann keiner sagen. Das Team hat noch keinen Testkilometer absolviert, weil kein Geld da ist. Zwei Monate vor Saisonstart fehlen außerdem der Hauptsponsor und ein zweiter Pilot. Vielleicht bringen Felipe Massa oder Eddie Irvine, die als Fahrer im Gespräch sind, ja einen Geldgeber mit.

Minardi: Auch wenn Teamchef Paul Stoddart von Podestplätzen spricht, hat er doch wohl nur ein Ziel: Minardi zumindest über die nächste Saison retten. Das dokumentiert auch die Verpflichtung der Fahrer Jos Verstappen und Justin Wilson, die nicht wegen ihrer Schnelligkeit, sondern wegen der Sponsorenmitgiften geholt wurden.

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