Sport : Alle Wetter!

Michael Rosentritt

Neulich verhalf der Bundestrainer den Nachrichtenagenturen zu einer so genannten Eilmeldung. Jürgen Klinsmann habe schon seine Wunschelf im Kopf, war da vermeldet worden. Auf Sardinien war er gefragt worden, ob er denn schon wüsste, welche seiner 23 Spieler seine Elf bilden würden. Klinsmann hatte geantwortet: „Wenn es heute losginge, wüsste ich, wer spielt, aber ich nenne keinen Namen. Denn in drei Wochen kann die Elf schon ganz anderes aussehen.“ Klinsmann hätte auch sagen können: Heute scheint die Sonne (es schien die Sonne), aber morgen könnte es regnen, es könnte aber auch wieder die Sonne scheinen (sie schien wieder). Soll heißen: Die allgemeinen Aufgeregtheiten rund um diese WM und dieses deutsche Team haben mittlerweile selbst erprobte Berichterstatter erfasst.

Natürlich hat der Bundestrainer wenige Tage vor der WM eine Wunschformation im Kopf. So wie vermutlich 50 oder 60 Millionen Deutsche auch eine im Kopf haben. Und vermutlich weisen sämtliche Varianten eine hohe Deckungsgleichheit auf. Was wiederum wenig überraschend ist. Bis auf Lehmann, Klose und Ballack nehmen sich die Kandidaten in ihren Stärken und Schwächen nicht sonderlich viel. Dass der Bundestrainer jetzt doch den Konkurrenzkampf um die Plätze im WM-Auftaktspiel ausgerufen hat, dient einzig dem Zweck, Spannung ins tägliche Training reinzubringen. Bei allem Gemeinschaftsdenken tut zu viel Homogenität vielleicht auch nicht gut. Doch bei allem, was in den letzten Tagen zu beobachten war, gilt: Es geht nicht um Personen, sondern darum, sich als Team ein brauchbares Spielsystem zu eigen zu machen und dabei ein hohes Maß an Spielverständnis zu entwickeln. Alles andere ist derzeit nicht von längerer Dauer als der tägliche Wetterbericht.

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