Sport : Allein am Berg

Im WM-Finale fühlt sich Formel-1-Weltmeister Alonso von den eigenen Leuten im Stich gelassen

Karin Sturm[Suzuka]

Direkt nach dem Großen Preis von China trat der neue Renault-Sportchef Alain Dasasse strahlend vor die Presse. Er sprach von einem großen Erfolg, weil sein Rennstall in der Konstrukteurswertung wieder die Führung übernommen habe. Dasasse sprach im Übrigen von demselben Rennen, in dem sein Pilot Fernando Alonso soeben die WM-Führung an Michael Schumacher verloren hatte.

Die Beziehung zwischen dem Formel-1-Weltmeister und seinem Team ist nicht erst seit dem vergangenen Sonntag von wenig vertrauensbildenden Maßnahmen geprägt. Doch jetzt, wo sie auf ihr Ende zusteuert, treten die tiefen Risse immer deutlicher zutage. „Sie wollen nicht, dass ich mit der Nummer eins des Weltmeisters zu einem anderen Team gehe“, sagte Alonso nach dem Rennen in Schanghai, das er wegen einer falschen Reifenwahl verlor. Auch vor dem Grand Prix in Japan am Sonntag, dem vorletzten der Saison, hat der sonst so souveräne Alonso sichtlich Mühe damit, seine inneren Wallungen unter Kontrolle zu bringen.

Der 25-Jährige weiß, dass es angesichts der WM-Situation besser wäre, den angestauten Frust zu zügeln und sich auf die offizielle Teamlinie zurückzuziehen, in der kein Platz für Probleme ist. Aber er schafft es einfach nicht. „Ich habe mich an einigen Punkten der Saison von meinem Team allein gelassen gefühlt“, bricht es aus ihm heraus – nicht laut und wütend, sondern eher leise, stockend. „Zum Beispiel in Indianapolis, wo ich massive Probleme hatte, und dann eben in Schanghai.“ Als er da zehn Runden lang mit den Reifen kämpfte und dann von seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella überholt wurde, „das war schon so, als wenn du bei einer Bergetappe der Tour de France einen Defekt hast und deine Teamkollegen fahren mit deinem größten Gegner einfach weiter, ohne auf dich zu warten“. Der Italiener bemerkt nur trocken: „Wenn Alonso gewinnt oder nicht gewinnt, ist das nicht meine Schuld.“ Das Team immerhin lässt verlauten, man stehe „zu 150 Prozent hinter Fernando“, doch Alonso vermag das nicht zu beruhigen. „Mit Sicherheit ist Renault der Konstrukteurstitel wichtiger“, sagt er leise.

Die Spannungen zwischen Alonso und seinem Team bestehen schon länger. Sie sind nicht die Folge, sondern vielmehr die Ursache dafür, das der Spanier schon im Herbst 2005 einen Vertrag bei McLaren ab 2007 unterschrieb. Vor allem vom englischen Teil des Teams um Cheftechniker Pat Symonds fühlt sich Alonso nicht ernst genommen. Als er einmal den Wunsch äußerte, während der Rennen ständig über die Positionen seiner Rivalen informiert zu werden, lehnte Symonds ab. Offenbar traute er seinem Fahrer nicht zu, diese Informationen zu verwerten.

Dass aber Michael Schumacher darauf bauen kann, im WM-Finale gegen einen angeschlagenen Gegner leichtes Spiel zu haben, könnte trotzdem ein Irrtum sein. „Er ist zwar sauer auf das Team, aber er ist mental unglaublich stark, deswegen wird das zumindest auf seine Leistung keinen negativen Einfluss haben – im Gegenteil“, sagt ein Freund Alonsos und Kenner der Renault-Verhältnisse. „Ihn selbst macht das eher noch stärker – wie das beim Team aussieht, ist eine andere Frage.“

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