Sport : Allein der Beste

Wladimir Kramnik sichert sich im Tiebreak den Weltmeistertitel im Schach

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Berlin - Der Russe Wladimir Kramnik hat gestern in Elista/Russland nach dramatischem Verlauf den Vereinigungskampf um die Schachweltmeisterschaft gewonnen. Er besiegte den Bulgaren Wesselin Topalow im Tiebreak mit 2,5:1,5 Punkten. Kramnik ist fortan alleiniger Schachweltmeister. Die vier Stichpartien mit verkürzter Bedenkzeit (für jeden 25 Minuten, plus zehn Sekunden pro Zug) waren notwendig, nachdem die zwölfte und letzte reguläre Partie am Vorabend remis ausgegangen war.

Kramnik gewann mit technischen Meisterleistungen die zweite und die vierte Tiebreakpartie, in denen er jeweils die weißen Steine führte. Topalow, in der ersten Stichpartie als Weißer nicht über ein Remis hinausgekommen, war in der dritten mit einem stürmischen Angriff der zwischenzeitliche Ausgleich gelungen.

Bereits am Donnerstagabend, nach der letzten regulären Partie, hatte Kramnik gesagt, im Grunde habe er den WM-Wettkampf zu diesem Zeitpunkt schon gewonnen. Obwohl es offiziell 6:6 unentschieden stand. Er hatte wie berichtet seit seiner kampflosen Niederlage in Runde fünf nur unter Protest weitergespielt und angekündigt, den Weltschachbund Fide zu verklagen, wenn Topalow dank des kampflosen Punktes zum Weltmeister erklärt werden sollte.

Die rechtlichen Schritte kann sich Kramnik nun sparen. In der zwölften Partie hatte er kontrollierte Gewinnversuche unternommen, „aber ich wollte nicht zu weit gehen“. Sein Gegner gab sich weniger zufrieden mit dem Remis. „Ich fühlte, der Sieg war nah, aber vielleicht war das Gefühl falsch“, sagte Wesselin Topalow. Tatsächlich zeigte die spätere Analyse, dass Kramnik objektiv nie in Verlustgefahr war. „Der Tiebreak wird eine Lotterie“, hatte er befürchtet. Vieles hänge von den Nerven ab, vom Glück und vom Nachtschlaf.

Doch nach Meinung der Experten war Wladimir Kramniks Gesamtsieg bei dieser WM keinesfalls glücklich, sondern verdient. Auch in den Tiebreakpartien bewies der unter einer entzündlichen Rheumaerkrankung leidende Moskauer, dass er in den vergangenen Jahren den Titel „klassischer Weltmeister“ zu Recht getragen hat. Besonders in seinen gestrigen Gewinnpartien überspielte er Topalow mit unscheinbaren, aber nachhaltigen Manövern – und in beiden Fällen brachten Kramniks unwiderstehlich vorrückende Freibauern die Entscheidung (siehe nebenstehende Analyse).

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