Sport : Allein die Heizung funktioniert nicht

Werder Bremen freut sich über ein 2:0 gegen Mönchengladbach und den dritten Platz in der Bundesliga

Martin Breutigam

Bremen. Das Thermometer im Weserstadion zeigte minus vier Grad. Doch Ailton stand nach Bremens 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach im Innenraum, als wäre er schon in der warmen Heimat. Dunkler Nadelstreifenanzug, grünes Seidenhemd, goldene Kette um den freien Hals – so gekleidet plauderte der Brasilianer über Werders formidable Hinserie. Und über seine 13 Saisontore, derentwegen sein Name auf Rang eins der Torschützenliste überwintern wird.

„Heute war kein normales Spiel“, sagte Ailton. Aufgrund eines Defekts der Rasenheizung blieb der Boden tief gefroren. „Ich dachte eigentlich, dass wir solche Spiele, in denen der Zufall eine so große Rolle spielt, nicht mehr erleben müssen“, klagte Bremens Trainer Thomas Schaaf. Und auch sein Gladbacher Kollege Hans Meyer meinte, „die Leute hätten ein Spiel unter regulären Bedingungen verdient gehabt“.

Doch so ging es für die Spieler beider Teams vor allem darum, sich bei den Abspielen zu konzentrieren, was den arg ersatzgeschwächten Gladbachern zunächst besser als den Gastgebern gelang. Aber nur bis zur 14. Spielminute, dann fiel Bremens Führungstreffer. Bremens Viktor Skripnik war ein Befreiungsschlag der Gladbacher vor die Füße gefallen. Geistesgegenwärtig passte er den Ball in Richtung Elfmeterpunkt, und Markus Daun verlängerte ihn direkt ins rechte Toreck. Damit rechtfertigte der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Stürmer erneut das Vertrauen seines Trainers, der den Griechen Angelos Charisteas zunächst auf der Bank gelassen hatte.

Gladbachs Trainer Meyer sah in dem frühen Rückstand eine Vorentscheidung. Dabei war seine Mannschaft dem Ausgleich sehr nahe gekommen: Zunächst zielte Daniel Embers mit einem gewaltigen Schuss aus 14 Metern direkt auf Bremens Torwart Pascal Borel, der gerade noch mit seinen Fäusten abwehren konnte. In der 16. Minute zog Jeff Strasser aus noch kürzerer Distanz ab – wieder konnte Borel klären. Den fälligen Eckball verlängerte Lawrence Aidoo im Zweikampf über die Torlinie – doch erkannte Schiedsrichter Jörg Keßler den Treffer nicht an. Er hatte zuvor ein Foulspiel gesehen.

„Wenn man sich wie wir in Bremen drei glasklare Chancen herausarbeitet und keine nutzt, heißt das nicht, dass wir nach vorne schlecht waren", sagte Meyer. Tatsächlich offenbarte sich gestern nur in Sachen Cleverness ein Unterschied. Gewiss, auch die Bremer ließen Möglichkeiten aus, etwa durch Ailton nach einer halben Stunde. Doch in der 58. Minute machte es der Brasilianer besser, als er zu recht darauf spekulierte, dass seine Gegenspieler Strasser und Witeczek einen überraschenden Pass von Johan Micoud unterlaufen würden. Ailton sprintete in unnachahmlicher Manier auf Gladbachs Torwart Michael Melka zu und spitzelte den Ball zum 2:0. ins Tor.

Hinterher, schon im feinen Anzug, versprach der Brasilianer: „Nach der Winterpause mache ich weiter so.“ Und zum Abgang ballte Ailton noch die Faust.

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