Sport : Allein im Strafraum

Herthas Zugang Fredi Bobic macht in Dessau einen guten Eindruck – doch noch mangelt es ihm an Unterstützung

Klaus Rocca

Dessau. Enttäuschung sieht anders aus. Fredi Bobic wirkte eher zufrieden. „Was soll’s? Wir sind zwar ausgeschieden, aber in den letzten Tagen sah es ja fast so aus, als würde man uns auffordern, hier zu verlieren, damit wir nicht wie in den letzten beiden Jahren nach dem Gewinn des Liga-Pokals schlecht in die Bundesliga-Saison starten“, sagte er. Doch Verlieren ist nicht seine Sache. Mit seinem ersten Tor in einem Pflichtspiel hatte Bobic dazu beigetragen, dass Hertha BSC auch diesmal den Platz als Sieger verlassen würde. Das tat in Dessau stattdessen mit dem 2:1 der HSV.

Als das Hamburger Siegestor fiel, stand Herthas prominentester Zugang nicht mehr auf dem Rasen des Paul-Greifzu-Stadions. „So leicht dürfen wir es dem Gegner nicht machen, gegen uns Tore zu schießen“, beklagte er später. Mit moderater Stimme, ohne einen Namen zu nennen.So spricht einer, der sich befugt sieht, Kritik zu üben, aber dies tut, ohne einen Mitspieler direkt anzugehen.

In Dessau hielt er sich eher zurück. Was vor allem daran lag, dass er nicht fit war. Tags zuvor hatte ihm beim Training das Sprunggelenk Probleme bereitet. „Schon nach einer halben Stunde des Spiels habe ich wieder Beschwerden gehabt“, sagte er später. Nach sieben Minuten der zweiten Halbzeit wollte er dann nicht mehr – Schonung war angesagt. Für ihn kam Luizao, der Weltmeister. Der unterließ alles, um sich als Alternative ins Gespräch zu bringen.

Bobic hat mit dem Tor sein Soll erfüllt. Dass er nicht noch mehr glänzen konnte, lag an den Problemen mit dem Sprunggelenk. Aber auch an mangelnder Unterstützung. „Wir haben den Ausfall vieler Stammspieler nicht kompensieren können“, sagte Bobic. Wobei die Ausfälle, mit Ausnahme Niko Kovacs, ausschließlich die Abwehr betrafen.

Fredi Bobic litt eher darunter, dass Marcelinho noch einiges von seiner Bestform entfernt ist. Vor zwei Jahren, beim Ligapokal-Sieg an gleicher Stätte gegen Bayer Leverkusen, erzielte der Brasilianer nicht nur wie diesmal Bobic in seinem ersten Pflichtspiel für Hertha sein erstes Tor, er brillierte auch als Anspieler und Vorlagengeber. Solche Leute braucht Bobic. In Dessau war er diesmal eher auf sich allein gestellt. Einmal, beim Ausgleichstor, klappte es. Da bediente ihn Marcelinho mustergültig. Doch ansonsten war der Brasilianer mehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er anderen Vorteile hätte verschaffen können.

Was auch auf Bobics Sturmpartner Artur Wichniarek zutraf. Er scheint noch seine Rolle zu suchen. Wichniarek hängt öfter ein wenig zurück, weil die Kollegen bei steilen Anspielen eher den Blick für Bobic haben. Und Bobic ist nicht der Stürmer, der in Tornähe den Mitspieler sucht.

„Lasst uns noch ein bisschen Zeit. Es wird schon mit uns klappen“, sagte Bobic. Bis zum Saisonstart sind es noch zwei Wochen. Andere, wie Alex Alves, haben es auch nach Monaten nicht geschafft. Bei Bobic hat man diese Befürchtungen nicht.

Hertha BSC bestreitet am Mittwoch in Neuruppin (18.30 Uhr, Volksparkstadion) ein Freundschaftsspiel gegen den FC Brügge.

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