Sport : Aller guten Dinge sind vier - Martina Hingis vor dem "magischen Quartett"

Jörg Allmeroth

Martina Hingis war acht Jahre alt und gerade mit ihrer Mutter in der Schweiz angekommen, da flimmerten in der neuen Heimat die Bilder von den Olympischen Spielen aus Seoul über die Fernseh-Mattscheibe. Eine Sportart und eine Sportlerin weckten schon damals das besondere Interesse des sportlich hochbegabten Kindes: Steffi Grafs Siegeszug im fernen Korea und der bisher einmalige "Golden Slam", der Triumph bei allen vier Topturnieren plus olympischem Gold, faszinierten das junge Mädchen "wie verrückt". Sie habe immer geträumt und gehofft, sagt Hingis heute, "dass ich das auch einmal im Leben schaffen kann."

Im Olympiajahr 2000 will Hingis, mittlerweile zur weltbesten und erfolgreichsten Spielerin der Tennistour aufgestiegen, den Wunsch in Wirklichkeit verwandeln. "Wenn ich in dieser Saison ein großes Ziel habe, dann ist es der Golden Slam", sagt die Schweizerin. Der Beginn dieses Arbeitsjahres lässt sich äußerst vielversprechend an: Nach einem mühelosen 6:3, 6:2 gegen die Spanierin Conchita Martinez steht Hingis wie in den drei vorherigen und stets siegreichen Jahren im Finale der Australian Open. Nur noch die Amerikanerin Lindsay Davenport kann den ersten Schritt von Hingis auf dem langen Marsch zum Golden-Slam-Ruhm verhindern: Die Olympiasiegerin des Jahres 1996 bezwang ihre Landsfrau Jennifer Capriati 6:2, 7:6. Nummer eins gegen Nummer zwei - nach mehr als anderthalb langweiligen Tenniswochen die sportlich logischste Lösung.

Gewinnt Hingis, kann der Durchschnittswert bei einer Gesamtsiegsumme von 1,18 Millionen Mark noch beträchtlich steigen. Vor dem Golden Slam kann Hingis eine in der modernen Tennis-Ära einmalige Melbourne-Leistung vollbringen: Während Superstars wie Monica Seles oder Steffi Graf den Australian-Open-Titel nur dreimal in Folge gewannen (Graf 1988-1990, Seles 1991-1993), steht die Schweizerin jetzt nur noch einen Sieg entfernt vom "magischen Quartett" ("Herald Sun"). Vielleicht sei "aller guten Dinge vier", meinte Mutter und Trainerin Melanie Molitor.

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