Sport : Alles auf Angriff

Die Eisbären wollen, dass die DEL offensiveres Eishockey fördert

Claus Vetter

Berlin - Schön, wenn es im Sport so einfach sein kann. „Das ist die Lösung“, ruft Pierre Pagé. Der Eisbären-Trainer wirbelt einen Artikel aus der „New York Times“ durch die Luft. Darüber sind Spieler abgebildet. Footballer? Ja, es geht um die American-Football-Liga NFL. Die macht nun durch Regeländerungen Abwehrspielern das Leben schwerer und Angreifern das Punkteerzielen einfacher. „Alle Macht der Offensive“, sagt Pagé.

Der Trainer des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist bekannt als Verfechter offensiven Spiels. Sonntag, beim 7:5 der Eisbären gegen Ingolstadt, gab es im Sportforum wieder einen Beleg dafür. Viel Trubel, viele Tore – hart für die Torhüter, attraktiv für die Zuschauer. Nur bringt es nicht immer Erfolg. Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften, heißt es. Zum Titel reichte es für die Eisbären auch noch nicht. Pagé findet das schlecht, sagt aber: „Russland hat seit Jahren international nichts mehr gewonnen. Weil die nicht mehr offensiv spielen, obwohl sie das könnten.“ Er glaubt, dass die Regularien offensive Teams benachteiligen und schaut in die „New York Times“. Dort wird beschrieben, wie die NFL nun die Regeln derart gestaltet, dass ein Passempfänger nicht mehr wie bisher von den Verteidigern robust angegangen wird. „Wir mussten eine Lösung finden, sonst geht das bei uns bald wie beim Fußball zu, wo Spiele 1:0 ausgehen“, wird ein Verantwortlicher der NFL zitiert. „Wenn die am besten funktionierende Liga der Welt so etwas macht, muss uns das zu denken geben“, sagt Pagé. Was aber soll passieren in der DEL? „Halten, Haken und Behinderung wird zu selten gepfiffen“, sagt Berlins Manager Peter John Lee. „Ein klarer Nachteil für die Stürmer. Alles was destruktiv ist, verhindert ein gutes Spiel.“

Heute haben es die Eisbären mit einem Gegner zu tun, der es mit der Defensive nicht so hat. 81 Tore haben die Krefeld Pinguine, die zum ersten DEL-Spiel in ihrer neuen Arena bitten, in 26 Spielen kassiert. Allerdings hat das Team vor kurzem mit dem Amerikaner Tom Preissing einen defensivstarken Verteidiger verpflichtet. Womöglich wird es für die Berliner ein hartes Anrennen. Die Lösung des Pagé’schen Problems wird es wohl so schnell nicht geben: Es sei denn, ein Team, das alles auf Angriff setzt, wird Meister. Dann könnte ein Umdenken einsetzen. Schön, dass es im Sport so einfach geht.

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