Sport : Alles auf Gelb

Erik Zabel darf nicht bei der Tour de France starten – damit Jan Ullrich größere Chancen auf den Sieg hat

Mathias Klappenbach

Berlin – Ab heute muss sich Erik Zabel bei der Asturien-Rundfahrt noch ein paar Tage lang anstrengen. Danach hat er aber genug Zeit, sich zu überlegen, wie es weitergehen soll. Zabel hat im Juli frei bekommen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird der 34-Jährige nicht Tag für Tag auf den Zielgeraden der Tour de France um einen Etappensieg kämpfen. Zabel, der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots des besten Sprinters, wird bei der Tour nicht mehr gebraucht. „Ich bin natürlich enttäuscht“, sagte Zabel, nachdem er von der Teamleitung seines Radrennstalls T-Mobile unterrichtet worden war. „Es hat in jedem Jahr jemanden getroffen. Dieses Mal bin ich es.“

Zabel passt nicht in die Taktik für die Tour de France. „Unsere Zielrichtung ist klar auf Gelb ausgerichtet“, sagt Teammanager Olaf Ludwig. „Für uns ist es eine ebenso harte Entscheidung wie für Erik. Er hat die Geschichte dieser Rundfahrt wie kaum ein deutscher Fahrer zuvor geprägt.“ Insgesamt zwölf Etappen hat Zabel bei der Tour de France gewonnen, in den vergangenen beiden Jahren ist ihm allerdings kein Tageserfolg mehr gelungen. Die Teamleitung hatte ihm 2004 keinen Helfer für die Sprints mehr an die Seite gestellt, er war als Einzelkämpfer bei den Zielankünften auf sich alleine gestellt. Und am Berg oder bei der Tempofahrt während der Etappen können andere Fahrer Jan Ullrich oder auch Alexander Winokurow besser unterstützen. Als Ullrich 1997 die Tour gewann, holte Zabel noch gleichzeitig das Grüne Trikot. Doch die Zeiten, in denen das gleichzeitig möglich war, scheinen vorbei zu sein.

Dem großen Ziel von Ullrich, seinen ewigen Gegner Lance Armstrong bei dessen letzter Tour doch noch einmal zu schlagen, wird bei T-Mobile in diesem Jahr alles untergeordnet. Deshalb gehört Zabel nicht einmal mehr zur Vorauswahl der 13 Fahrer, aus der am kommenden Mittwoch der neunköpfige Tour-Kader bekannt gegeben wird. Schon Ende des vergangenen Jahres hatte der Tour-Zweite Andreas Klöden gefordert, ebenso wie das Team von Armstrong nur Fahrer nach Frankreich mitzunehmen, die wertvolle Dienste für den Gesamtsieg verrichten können. Sonst habe man keine Chance.

Diese gegen Zabel gerichtete Forderung hatte zu Unstimmigkeiten zwischen Klöden, der trotz schwacher Leistungen im Kader bei der Tour stehen wird, und dem Sprinter geführt. „Wir haben eine Linie und haben uns nicht durch diese Diskussionen beeindrucken lassen“, sagte der Sportliche Leiter Mario Kummer, der gemeinsam mit Ludwig und Teamchef Walter Godefroot den Kader zusammenstellt.

Die gestrige Entscheidung gegen Zabel war auch mit einer langfristigen für den Fahrer verbunden, der dem ehemaligen Team Telekom 1995 mit zwei Etappensiegen bei der Tour die sportliche Zukunft gesichert hatte. Der Radrennstall wählte für die offizielle Pressemitteilung die Überschrift: „T–Mobile bietet Erik Zabel langfristige Perspektive.“ Erst nach der Meldung, dass Zabel ein Angebot zur Verlängerung des auslaufenden Vertrages inklusive einer weiteren Einbindung im Sponsoring-Bereich nach dem Ende seiner aktiven Karriere angeboten wird, folgt der Hinweis darauf, dass Zabel bei dieser Tour nicht mehr dabei sein wird. „Olaf hat ein Angebot unterbreitet, dass ich sehr zu schätzen weiß“, sagte Zabel, die Gespräche sollen bis Ende August abgeschlossen sein.

Erik Zabel will sich nun „neue Saisonziele suchen“. Er war elfmal bei der Tour dabei. Doch Zabel war schon immer ein Fahrer, der das ganze Jahr über bei Klassikerrennen als Erster ins Ziel raste oder wie im Jahr 2000 den Gesamtweltcup gewann. „Ich bin nicht fokussiert auf die Tour. Ich fahre von Februar bis Oktober an der oberen Leistungsgrenze“, sagte Zabel schon vor der Saison. „Und die Vuelta fahre ich inzwischen lieber.“ Da hat er letztes Jahr das Blaue Trikot des besten Sprinters gewonnen.

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