Sport : Alles auf Umbruch

-

Stefan Hermanns über die Gefahren für Hertha BSC

Endlich, endlich! Jetzt, da auch der Kaiser höchstselbst sich sehr wohlwollend über die Perspektiven von Hertha BSC geäußert hat, kann beim Berliner FußballBundesligisten nun wirklich nichts mehr schief gehen. Und Franz Beckenbauer steht mit dieser Ansicht nicht allein. Die Mannschaft selbst will in die Champions League, auch sonst glaubt die Sport- und andere Prominenz, dass Hertha vor einer schönen Saison steht. So viel Euphorie war – seit einem Jahr nicht mehr.

Kurz bevor es ernst wird, werden die Aussichten der Berliner immer in den schönsten Farben gemalt. Aber nie, so scheint es, war die Hoffnung so begründet wie diesmal. Die Mannschaft hat ihre Eingewöhnungszeit mit dem neuen Trainer beendet; die Neuen beheben die bekannten Schwächen der Mannschaft: zu wenig Charakter, zu wenig Typen, zu wenig Siegerdenken. Kurz: Der Umbruch, von dem in der vergangenen Saison immer die Rede war, ist abgeschlossen.

Ist das so? Dass der Umbruch abgeschlossen ist, setzt voraus, dass zuvor überhaupt ein Umbruch im Gange gewesen ist. Aber wo war denn der Umbruch in der vorigen Saison – als Preetz noch da war, Beinlich und Alves noch spielten, Maas, Tretschok und Sverrisson noch im Kader standen? Dass sie alle fußballerisch bei Hertha keine Hauptrollen mehr besetzt haben, mag stimmen, aber erst in diesem Sommer hat Hertha neun Spieler abgegeben. Das eigentliche Jahr des Umbruchs beginnt: jetzt.

Es könnte also durchaus sein, dass die Neuen noch Eingewöhnungszeit benötigen, dass die Abstimmung der Verbesserung bedarf, dass Fredi Bobic und Artur Wichniarek nicht von Beginn an Tor um Tor erzielen. Das Dumme ist, dass der Umbruch schon in der vorigen Saison der Schuldige dafür war, dass Hertha den Platz in der Champions League verspielt hat. Man sollte diese Erklärung nicht überstrapazieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar