Sport : Alles falsch gemacht

Oliver Trust

In stillen Momenten dürfte sich Sebastian Kehl wünschen, er hätte nie etwas von seinem Wechsel erzählt, er hätte nie an Bayern München, Borussia Dortmund und viel Geld gedacht. Nun sitzt der Mittelfeldspieler des SC Freiburg mitten im Chaos und fühlt sich unglücklich. Dem 21-jährigen Nationalspieler ist es gelungen, sogar im beschaulichen Freiburg ein Durcheinander anzurichten. "Coverboy der Woche", nannte Trainer Volker Finke seinen prominentesten Spieler. Andreas Rettig reagiert zunehmend verärgert. Der Freiburger Manager sagt: "Er muss die Hosen runter lassen. Das ist alles nur noch äußerst störend. Sebastian muss sich bei den Bayern und bei Uli Hoeneß entschuldigen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Inzwischen aber hat Kehl sogar seinen Berater Franz Gerber in Schwierigkeiten gebracht. Der ist eigentlich Sportdirektor beim Zweitligaklub Hannover 96. In diesem Job sind Nebentätigkeiten als Spielervermittler streng untersagt. Gerber, so meldet die "Hannoversche Neue Presse", stünde wegen Kehl kurz vor dem Rauswurf. Sebastian Kehl schweigt, der SC Freiburg wundert sich, und die Boulevardzeitungen feiern in ihren Schlagzeilen einen Zweikampf der Branchenriesen, der mittlerweile eigentlich gar keiner mehr ist.

Kehl wird wohl für knapp 15 Millionen Mark zu Borussia Dortmund wechseln. Und das, obwohl er einen Scheck der Bayern akzeptiert und Manager Uli Hoeneß seinen Wechsel zugesichert hatte. Dann muss Kehl Angst bekommen haben, in der Ansammlung von Stars in München unterzugehen. Kehl zahlte die Millionen zurück und, so werden die Bayern behaupten, fiel dadurch beim Charaktertest durch. "Lügner" und "Abzocker" muss Kehl sich nun schimpfen lassen.

Das gehört zum Geschäft, zum Arbeitsgericht jedenfalls werden ihn die Münchner nicht zerren. Ein solches Spektakel können und wollen sich nicht einmal die Bayern leisten. Und sie, das hat Hoeneß anklingen lassen, wollen ihn auch gar nicht mehr haben. Der Manager glaubt nämlich: "Die Sache wäre in fünf Minuten für uns entschieden". Auch Rettig sagt: "Wenn ein Spieler so etwas mit mir machen würde, würde ich auch verzichten."

Nun ist Kehl der Buhmann. Er hat bei seiner Zukunftsplanung wohl alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Der Ruf jedenfalls ist ramponiert. Dabei sagt sein Trainer: "Sebastian ist kein Raffzahn." Den Ärger bekommt jetzt Kehls Manager Franz Gerber zu spüren. "Gerber hat unser Vertrauen missbraucht", schimpft Hannovers Präsident Martin Kind, "das ist vollkommen inakzeptabel und eine Katastrophe." Gerber, der sich gerne als väterlicher Freund von Sebastian Kehl einstuft, gibt kleinlaut zu: "Das eine oder andere Gespräch hat es gegeben." Mit Kehls Vater saß Hannovers Sportdirektor bei Borussia Dortmunds Manager Michael Meier und verhandelte. Das, so heißt es aus Niedersachsen, gehe weit über Gerbers Interpretation hinaus. Dieser hatte das Verhältnis so umschrieben: "Wenn Sebastian mich anruft, dann helfe ich natürlich."

"Ich hoffe auch in unserem Sinne, dass Sebastian sich jetzt äußert", sagt Rettig, "das alles ist schädlich für seine Zukunft. Ich habe Verständnis für die Reaktion von Herrn Hoeneß. Für mich zählt auch noch die Kaufmannsehre."

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