Sport : Alles für Podolski

Wie Trainer Uwe Rapolder in Köln zurechtkommt

Stefan Hermanns

Köln - Für Uwe Rapolder hätte die schwierige Beziehung kaum besser beginnen können. Nicht weil seine Mannschaft, der 1. FC Köln, gegen Mainz das erste Spiel der Saison gewonnen hatte. Sondern weil Rapolder nach dieser Begegnung eine schöne Geschichte erzählte. Morgens in der Badewanne habe er den Traum gehabt, dass der FC durch einen Elfmeter gewinnen werde. So kam es dann auch, und die Kölner Boulevardmedien, die als die gefährlichsten in Deutschland gelten, freuten sich über diese nette Anekdote. Wenn es ein bisschen menschelt, kommt das immer gut bei ihnen an.

Denn generell ist ein Typ wie Rapolder dem Kölner Umfeld eher suspekt. Anstelle eines Fußballintellektuellen hätte die Boulevardpresse lieber einen großen Trainer gesehen, also wie immer eigentlich seit 15 Jahren – Christoph Daum. Rapolder hingegen hat sich erst im vorigen Jahr einen Namen gemacht, als er mit dem Aufsteiger Arminia Bielefeld den Erfolg des so genannten Konzeptfußballs begründete. Rapolder galt plötzlich als Modernisierer, und er kann ausgiebig über das Spiel theoretisieren. Im eher praktisch veranlagten Köln ist das nicht unbedingt gefragt.

Angesichts dieser Ausgangslage verläuft die Verbindung zwischen Rapolder und dem FC bisher erstaunlich erfolgreich, auch wenn sich die Kölner noch an manche Eigenheit gewöhnen müssen. Nach dem 2:1-Sieg im rheinischen Derby, Teil I gegen Borussia Mönchengladbach tobte Rapolder wie nach einer Niederlage. Es hatte ihm missfallen, „dass wir in der zweiten Hälfte nur noch hinten drin gestanden und das Ergebnis verteidigt haben. Wenn man nur an das Resultat denkt, wird man nicht besser.“ Nach dem rheinischen Derby, Teil II, der 1:2-Niederlage in Leverkusen, erlebte das Publikum hingegen einen vergnügten Rapolder. Er wertete das Spiel als Fortschritt auf einem Weg, für den die Mannschaft vermutlich mehr Zeit benötigt, als sie das nervöse Kölner Umfeld in der Regel gewährt.

Letztlich aber wird Rapolders Erfolg davon abhängen, ob es ihm gelingt, den kölschen Superstar Lukas Podolski in ein System einzubinden, das die Existenz eines Stars eigentlich ausschließt. Im Zweifel wird sich die Boulevardpresse in diesem Konflikt immer auf die Seite Podolskis schlagen. Das hat sie auch in der Vorwoche getan, als Rapolder mit dem FC nach drei Niederlagen die erste kleine Krise durchlebte. Podolski klagte, er müsse alles alleine machen, eine Besprechung mit Rapolder wurde zum Versöhnungsgespräch umgedeutet, und als der Trainer gegen Gladbach tatsächlich einen zweiten Stürmer aufbot, fühlte sich der Boulevard als Sieger. Rapolder sagte hinterher: „Es gab nie das geringste Problem zwischen Lukas Podolski und mir.“ Das ist auch besser für ihn.

0 Kommentare

Neuester Kommentar