Sport : Alles ist gewiss anders

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Es gibt ein paar Gewissheiten, an die man sich halten kann: Im Winter kommt Weihnachten, im Frühjahr Ostern, im Sommer Urlaub und im Spätsommer die Bundesliga. Das Rezept hat sich im 51. Jahr kaum geändert: 18 Mannschaften, 34 Spieltage, einer wird Meister, mindestens zwei steigen ab. Gespielt wird samstags um 15.30 Uhr, meistens jedenfalls, nach sechs kommt die Sportschau, das gibt dem Tag Struktur und dem Zuschauer Halt. Manch einer wüsste gar nicht, wann er sein Auto waschen oder Bier trinken sollte, wenn die Bundesliga nicht die innere Uhr stellen würde. Tippgemeinschaften und Auswärtsfans würden ziellos durchs Land marodieren.

Vor dieser Saison gibt es so viele Gewissheiten wie lange nicht: Bayern ist stark, ach, so stark, Dortmund auch und Braunschweig eher schwach, wie Fürth, letzte Saison, das kennen wir schon. Und dazwischen? Alles zementiert, die Prognosen sind doch längst gemacht, die Tabellenplätze schon vergeben, wer wo landet, das lässt sich doch ablesen, am Budget.

Doch genauso brauchen wir die Liga, um unsere Gewissheiten zu erschüttern: Groß verliert gegen Klein, alte Stars enttäuschen, neue tauchen auf, Überraschungsteams spielen überraschenden Fußball. Wir staunen selbst, wenn die Guten besser und die Schlechten noch schlechter sind als gedacht. Da passt es, dass Hertha wieder dabei ist, der heimliche Meister der Unberechenbarkeit. Am Schönsten ist zu sehen, dass die Protagonisten oft selbst nicht wissen, wie ihnen geschieht. Auch die eigenen Tipps gehen nicht auf, man ärgert und freut sich zugleich – hat sie mich doch wieder überrascht, die alte Bundesliga, nach so vielen Jahren. Und da dachte man, man kennt sich.

Darum dürfen wir uns auch auf diese Saison freuen. Sie gibt wieder die Gewissheit, dass es gewiss anders kommt.

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