Sport : „Alles muss vom Feinsten sein“

Thomas Berthold über Pläne für die WM 2010

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Thomas Berthold war ein Star der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er war bei drei WM-Endrunden dabei, 1990 gewann er in seiner damaligen Wahlheimat Italien unter Teamchef Franz Beckenbauer den Weltmeistertitel. Nach seinem Karriereende arbeitete Berthold von 2003 bis 2005 als Manager des Amateurligisten Fortuna Düsseldorf. Jetzt kümmert sich Thomas Berthold wieder um das, was er offensichtlich am besten kann: eine WM-Teilnahme – diesmal als Geschäftsmann für das Turnier 2010 in Südafrika. Jürgen Rollmann, früher Beauftragter der Bundesregierung für die WM 2006 und jetzt wieder als Journalist tätig, hat Berthold für den Tagesspiegel interviewt.

Herr Berthold, Sie haben für den kommenden Mittwoch hochrangige Wirtschaftsvertreter nach Leverkusen zum Thema Fußball-WM 2010 eingeladen. Worum geht es da genau?

Ich habe mit drei Partnern, davon ein Südafrikaner und ein Deutscher, der lange in Südafrika gelebt hat, eine Firma gegründet. Wir wollen zur Weltmeisterschaft 2010 exklusive Reiseangebote anbieten.

Was hat Südafrika mit Leverkusen zu tun?

Irgendwo müssen wir ja mal anfangen. Es gibt eine Vielzahl von deutschen Unternehmen, die sich bei der WM 2006 engagiert haben. Das sind potenzielle Kunden für die nächste WM. Nach Südafrika fliegst du nicht mal schnell hin und gleich wieder zurück, sondern willst auch was von Land und Leuten mitkriegen. Pakete mit Unterkunft, dem Besuch von Weinregionen oder Safaris wollen wir anbieten.

Nur wegen Wein und Tieren wird ein Fußballfan aber kaum für viel Geld 20 000 Kilometer hin- und zurückfliegen. Woher bekommen Sie überhaupt die Tickets?

Der Fußball-Weltverband Fifa macht im Gegensatz zur WM in Deutschland das Ticketing wieder in eigener Verantwortung und wird demnächst einen Vertragspartner bestimmen. Mit dem muss man sich dann eben verständigen. Ich war zur WM 2006 bereits Vertragspartner für den Reiseveranstalter des mexikanischen Fußball-Verbandes und habe für die das Ticketing abgewickelt. Es waren 6000 Mexikaner hier bei uns.

Aber letztlich bieten Sie Tickets für Gutbetuchte an, weniger für Fans. Gibt es da überhaupt genügend Interesse?

Es gibt ein ungeheures Potenzial an Leuten, die zum Fußball gehen wollen, aber für Geschäftsleute muss eben alles vom Feinsten sein. Ich wäre zufrieden, wenn wir 250 Zimmer in Tophotels oder Lodges pro WM-Tag zur Verfügung hätten. Richtig starten wollen wir zum Confed-Cup 2009. Ein Büro in Johannesburg haben wir schon.

Waren Sie schon selbst mal in Südafrika?

Na klar. Ich habe meine zweite Frau Britta vor drei Jahren in Südafrika geheiratet, romantisch mitten im Busch. Einfach zwei Stühle hingestellt, ein Pfarrer hat die Zeremonie abgehalten. Das war wunderschön. Die meisten, die schon mal da waren, begeistern sich für Afrika.

Sie hatten mal das Image des arroganten und gar nicht pflegeleichten Profis, der gerne Golf spielt und dafür auch mal einen Tribünenplatz in Kauf nimmt. Hat Ihnen Ihr Engagement bei Fortuna Düsseldorf, das im Unfrieden endete, nachhaltig geschadet?

Ach Gott, der alte Senf. Wer sich meine Karriere anschaut und mich reduziert auf das eine Tribünenjahr in München, in dem ich dazu noch eine schwere Verletzung hatte, der hat keine Ahnung. Bei der Fortuna sind wir zu meiner Zeit von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen, das neue Stadion wurde fertiggestellt. Ich habe Deutschlands größten Werbekonzern als strategischen Partner für die Fortuna gewonnen. Und von den Spielern, die ich für null Euro geholt habe, kicken mit Bellinghausen in Kaiserslautern, Lorenzon in Essen oder Ndjeng in Bielefeld heute drei im Profibereich. Nein, geschadet hat mir Fortuna Düsseldorf nicht, aber man wird nach solchen Erfahrungen schon vorsichtiger.

Also werden wir Sie nicht mehr im Bundesliga-Geschäft erleben?

Ich schließe nichts aus im Fußball, aber in den nächsten drei Jahren geht nichts, weil die Firma ins Laufen kommen muss. Ich bin keiner, der heute ja und morgen nein sagt.

Das Gespräch führte Jürgen Rollmann.

Thomas Berthold, 42, spielte als Fußballprofi unter anderem in Frankfurt, Rom, München und Stuttgart. Er absolvierte 62 Länderspiele. Gerade gründet er eine Firma für WM-Ticketverkauf.

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