Sport : Alles neu macht der Dezember

Alba Berlin verliert erstmals in dieser Saison ein Bundesligaspiel und steht vor der Verpflichtung von John Celestand

Sven Simon

Bonn . Zuerst wurde es in der mit 3500 Zuschauern ausverkauften Bonner Hardtberghalle nur geflüstert. Nach der 82:90 (50:54)-Niederlage von Alba Berlin gegen die Telekom Baskets Bonn war das Gerücht aber bereits so bekannt, dass Trainer Emir Mutapcic auf der Pressekonferenz nach der ersten Niederlage in der Bundesliga in dieser Saison dazu befragt wurde. Aufbauspieler John Celestand solle für den verletzten DeJuan Collins verpflichtet werden, hieß es. Der Trainer wollte nicht viel dazu sagen, dafür äußerte sich Albas Vizepräsident. „Ja, wir stehen in Kontakt mit John Celestand“, sagte Marco Baldi, „aber die Sache ist noch nicht in trockenen Tüchern.“

Der US-Amerikaner stand bereits in der NBA bei den Los Angeles Lakers unter Vertrag. Auch die Basketball-Bundesliga kennt er bereits, da er vorletzte Saison in Braunschweig spielte. Dort kam Celestand in 13 Spielen auf durchschnittlich 19,9 Punkte. Schlechter lief es für den 1,90 Meter großen Point Guard in der vergangenen Saison. Zunächst spielte er bei Skipper Bologna, wurde aber nach einer Verletzung im September entlassen. Daraufhin kam Celestand zum französischen Erstligisten Villeurbanne, wo er durchschnittlich 8,6 Punkte und 5,3 Assists pro Spiel erzielte. Im Sommer absolvierte er das Trainingscamp der New Jersey Nets, bekam aber keinen Vertrag in der NBA. „Wir müssen nicht auf Teufel komm raus einen neuen Spieler verpflichten“, sagte Baldi, „aber wenn wir einen geeigneten Kandidaten finden, werden wir versuchen, es hinzubiegen.“ Celestand ist so ein geeigneter Kandidat.

An den Aufbauspielern lag es jedenfalls nicht, dass Alba in Bonn verlor. „Wir sehen die Niederlage mit einem Stück Gelassenheit“, sagte Marco Baldi. Immerhin musste Alba neben DeJuan Collins auch auf Henrik Rödl verzichten. „Wenn uns Bonn zu Hause ohne zwei Topkräfte nicht schlägt, wann dann?“, sagte Baldi. Aufbauspieler Mithat Demirel machte ein gutes Spiel und kam auf 17 Punkte, der 18-jährige Debütant und Junioren-Nationalspieler Heiko Schaffartzik erzielte in sechs Minuten drei Punkte.

„Ich habe mir nicht extra vorgenommen, mehr zu punkten“, sagte Demirel. Die Situationen hätten das einfach ergeben. Schaffartzik spielte bei seinem ersten Bundesligaauftritt laut Mutapcic „sehr gut“. Als er Mitte des ersten Viertels eingewechselt wurde, besorgte erst Marko Pesic den Spielaufbau. Nach einigen Minuten dann leitete auch der Youngster den Positionsangriff von Alba. „Das war unsere Taktik. Wir wollten Heiko Zeit geben, ins Spiel zu finden“, erklärte Mutapcic. Nach dem Seitenwechsel sah es aus, als wenn Berlin das hohe Niveau durchhalten würde.

In den Schlussminuten aber gelang den Bonnern vor allem durch Radojevic (17 Punkte) die Wende. „Wir haben drei Viertel sehr gut gespielt“, sagte Mutapcic. Aber zum Schluss habe man einige einfache Punkte unter dem Korb kassiert. „Vielleicht hat uns da ein bisschen Kraft gefehlt, um so ein Spiel zu gewinnen.“ Auch Demirel war nach dem Spiel „ziemlich erschöpft“. 32 Minuten stand er auf dem Parkett, brachte den Ball immer wieder zur richtigen Zeit zum richtigen Spieler. Dass es ein anstrengender Arbeitstag für ihn war, störte den Nationalspieler nicht. Regelmäßig war er bei Alba nur zweite Wahl gewesen. Selbst als er in der Nationalmannschaft bereits bewiesen hatte, dass er eine Mannschaft führen kann, musste er in Berlin die Partien immer noch von der Bank beginnen. „Ich muss halt jetzt mehr Verantwortung übernehmen“, sagte Demirel. Auf die Frage, ob Berlin einen Ersatzmann für Collins verpflichten solle, wollte er nicht näher eingehen. „Das ist nicht meine Aufgabe. Damit müssen sich andere befassen.“

Alba führt immer noch die Bundesliga an. Am Donnerstag spielt Berlin beim FC Barcelona in der Euroleague. Bis dahin dürfte auch die Verpflichtung von Celestand geklärt sein.

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