Sport : Alles nur Zirkus

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Von Karin Sturm

Spielberg. Die Ferraristi rollten ihre Flaggen ein, einige verbrannten sie aus Protest sogar öffentlich, die Rufe „Schiebung, Schiebung“ schallten noch lange über die Straßen und Campingplätze rund um den A1-Ring. Selbst die größten Fans von Ferrari und Michael Schumacher waren beim WM-Lauf der Formel 1 in Spielberg über die Stallorder von Ferrari zugunsten des Deutschen und zuungunsten von Rubens Barrichello stinksauer: „Das ist Betrug, eine Riesenschweinerei!

Die Einzigen, die das alles anscheinend überhaupt nicht interessiert, sind die hohen Herren bei Ferrari, Jean Todt und Ross Brawn. Die halten ihre Entscheidung weiterhin für die einzig richtige im Interesse von Ferrari. „Auf die Gefühle der Fans kann man keine Rücksicht nehmen“, so Brawn wörtlich, „man muss nur an das Ziel des Teams denken, und das ist der Gewinn der WM.“ Dass das bei der diesjährigen Ferrari-Überlegenheit sowieso kaum eine Frage ist, lassen sie nicht gelten: „Dahinter stecken zu viel Geld und zu viele Interessen von Sponsoren." Lieblingsausrede bei Ferrari: „Alle anderen machen das doch ständig auch so“ - konkrete Beispiele kommen dann aber nicht.

Weil es vergleichbare Beispiele eben doch nicht gibt? Auch, dass es bei der Ferrari-Präsentation im Winter noch hieß, solche Aktionen werde es in diesem Jahr sicher nicht mehr geben, ist Schnee von gestern: „Da wussten wir ja nicht, dass die Punktedifferenz zwischen Schumacher und Barrichello so schnell so groß sein würde.“

Jean Todt baut darauf, dass das ganze Thema ohnehin bald keines mehr ist: „Jetzt regen sich die Leute ein paar Tage lang auf, aber das ist doch ganz schnell wieder vergessen. Erst recht, wenn wir Weltmeister sind.“ Und fährt dann zynisch fort: „Alle haben doch gesagt, die WM sei langweilig. Jetzt haben die Zeitungen wenigstens was zu schreiben." Brawn ließ keinen Zweifel daran, dass man in Zukunft genauso entscheiden werde.

Und Michael Schumacher selbst? Brawn: „Der hat damit im Prinzip überhaupt nichts zu tun. Wir sind es, die das Team leiten und bestimmen!“ Womit Schumacher jetzt zwei Wochen bis zum Rennen in Monaco nachdenken könnte, ob er als viermaliger Weltmeister wirklich nur die Marionette seiner Bosse sein will – oder das nachzuholen, was er in Österreich auch nach Ansicht von McLaren-Mercedes-Testpilot Alexander Wurz hätte tun können: „Wenn Michael hinter Barrichello geblieben wäre, hätte er unheimlich viele Sympathiepunkte sammeln können!"

Derweil fordert Ferraris Konkurrenz den Internationalen Automobil-Verband (FIA) zum Handeln auf. Vor vier Wochen in Imola hatte dessen Präsident Max Mosley noch betont, es sei eine wichtige Aufgabe der obersten Sportbehörde, das Image der Formel 1 zu schützen - und wenn Fahrer durch unqualifizierte Handlungen oder Äußerungen Schaden anrichteten, müssten sie auch mit Strafen rechnen. Gestern hat die FIA reagiert. Sie zitierte sowohl Ferrari als auch Schumacher und Barrichello vor den Weltra, das oberste Entscheidungsgremium der FIA.

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