Sport : Alles ruiniert

Nach dem Spielabbruch im Mailänder Derby droht Inter eine harte Strafe

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Ein Fußballfest sollte es werden. Am Ende wurde es ein Fußballskandal. Das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League zwischen Inter Mailand und dem Lokalrivalen AC Mailand wurde durch schwere Ausschreitungen erschüttert. Das traurige Ergebnis: Weil fortwährend Feuerwerkskörper und Flaschen auf den Platz flogen, brach der deutsche Schiedsrichter Markus Merk die Partie in der 75. Minute beim Stand von 1:0 für den AC Milan ab. „Unerklärliche Momente des Wahnsinns“, registrierten die italienischen Zeitungen übereinstimmend. Einige Zeitungen berichteten, dass sich die Fans verabredet hätten, bei einem Rückstand einen Abbruch zu provozieren.

„Es ist eine Schande für den italienischen Fußball“, kommentierte auch Milan-Trainer Carlo Ancelotti und gab die Schuld für die Ausschreitungen der „italienischen Kultur und den Fernsehdebatten über Fußball“. Der Ton in den zahlreichen italienischen Fußballsendungen sei gefährlich aggressiv geworden, sagte Ancelotti. Inter-Trainer Roberto Mancini, der mit übertriebener Gestik die Tifosi aufgestachelt hatte, wollte auf diese Analyse nicht eingehen und bekannte lakonisch: „Die Spiele dürfen so nicht enden, wir sind alle sehr beschämt.“

Inter Mailand hatte sich für die Partie viel vorgenommen und wollte sich trotz der 0:2-Niederlage im Hinspiel noch für das Halbfinale qualifizieren. Nur dadurch hätte man die enttäuschten Inter-Tifosi für eine verkorkste Saison versöhnen können. Doch das Vorhaben misslang. Die Hintermannschaft des AC Mailand vor Torwart Dida widerstand erfolgreich allen Angriffsversuchen. Frust machte sich beim Inter-Anhang schon nach 30 Minuten breit. Überraschend hatte nämlich Andrej Schewtschenko den AC mit 1:0 in Führung gebracht.

„Alle sagten mir, dass hier seit 20 Jahren nichts Derartiges passiert sei“, sagte Schewtschenko nach dem Spiel. „Und jetzt ist alles ruiniert.“ Die Situation eskalierte, als Markus Merk in der 71. Minute einen Treffer von Inter-Stürmer Esteban Cambiasso nicht anerkannte. Feuerwerkskörper und Flaschen flogen aufs Spielfeld, ein Feuerwerkskörper traf Milans Torwart Dida. Er erlitt Brandverletzungen. Merk schickte daraufhin beide Mannschaften für 20 Minuten in die Kabine. Als der Schiedsrichter das Spiel fortsetzen wollte, kam sofort wieder ein Hagel von Flaschen und Leuchtraketen von der Nordtribüne, auf der sich Inters Anhang befand. Merk brach das Spiel ab.

Massimo Moratti, der die Aktienmehrheit von Inter hält, hatte da schon aus Protest das Stadion verlassen. Vor zehn Jahren hatte der Milliardär den Klub erworben, um in die Fußstapfen seines Vaters Angelo Moratti zu treten. In Zusammenhang mit den Krawallen sprach er von „kriminellen Verhaltensweisen“.

Die Disziplinarkommission der Uefa wird sich am Freitag mit den Vorfällen befassen. Als Strafe ist der Ausschluss Inters aus kommenden Europapokal-Wettbewerben denkbar. Möglich ist auch, dass die abgebrochene Partie mit 3:0 für AC Mailand gewertet wird oder die restlichen 15 Minuten unter Ausschluss von Zuschauern zu Ende gespielt werden. Innenminister Giuseppe Pisanu drohte an, bei weiteren Ausschreitungen die Stadien zu schließen. „Das Maß ist voll“, sagte der Minister. Der italienische Fußballverband entschied am Mittwoch, ab sofort Spiele schon beim ersten Wurf von Feuerwerkskörpern abzubrechen.

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