Sport : Alles wie immer

England und Italien gehen ins Elfmeterschießen. Dort versagen den Engländern die Nerven, die Italiener siegen 4:2 und treffen im Halbfinale auf Deutschland.

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Per Hand ins Halbfinale.
Per Hand ins Halbfinale.Foto: AFP

Italien also. Bundestrainer Joachim Löw musste in Danzig ein Weilchen vor dem Fernseher ausharren, bis im fernen Kiew der Gegner für das EM-Halbfinale am Donnerstag ermittelt war. Die Italiener benötigten nach dem ersten torlosen Spiel dieser Europameisterschaft noch die 30-minütige Verlängerung und das Elfmeterschießen, bis der 4:2-Sieg gegen England feststand. Vor 65 000 Zuschauern im Olympiastadion war Alessandro Diamanti der Held der Nacht mit dem entscheidenden Schuss. Aber dass Engländer im Elfmeterschießen versagen, ist ja schon lange eine liebgewonnene Tradition.

Erinnerungen werden nun wach an die Weltmeisterschaft 2006, als die Italiener im Halbfinale von Dortmund das deutsche Sommermärchen mit einem 2:0-Sieg beendeten und später auch das Finale von Berlin gewannen. Ohnehin ist die deutsche Bilanz gegen den Halbfinalgegner von Warschau eine sehr mäßige. Bei Welt- und Europameisterschaften gab es in sieben Spielen gegen die Italiener noch keinen Sieg, aber vier Niederlagen.

Das Viertelfinale war für den viermaligen Weltmeister beinahe ein Heimspiel, und das lag nicht nur an den vielen in die Ukraine gereisten Tifosi. Auch das einheimische Publikum schlug sich auf die Seite der Italiener - das heißt, es war vor allem gegen die Engländer, weil die den Ukrainern vor ein paar Tagen beim berühmten Torklau von Donezk die letzte Chance aufs Viertelfinale genommen hatten. Die Italiener bedankten sich für die unverhoffte Unterstützung mit einem furiosen Auftakt in Person von Daniele De Rossi. Sein Schuss aus 25 Metern flog gegen den linken Pfosten.

Im Gegenzug hätten beinahe die Engländer ein Tor vorgelegt. James Milners Pass vom rechten Flügel fand den Weg durch allerlei Abwehrbeine direkt auf den Fuß von Glen Johnson. Der weit aufgerückte Verteidiger schaffte es auch irgendwie, den Ball durch die winzige Lücke zwischen Ignazio Abate und Andrea Barzagli zu bugsieren, allerdings mit viel zu wenig Tempo, so dass Gianluigi Buffon noch Zeit hatte, den rechten Arm zur Rettung hochzureißen.

Es war ein keineswegs hochklassiges, aber am Anfang recht unterhaltsames Spiel. Die Italiener, angeführt von den Strategen De Rossi und Andrea Pirlo, dominierten das Geschehen, aber ihr Spiel litt an der Inkonsequenz in der finalen Zone des Spielfelds. Der eine Stürmer, Antonio Cassano, verlor so ziemlich jeden Ball. Und der andere, Mario Balotelli, ist bei aller Präsenz nicht gerade ein Muster an Geschicklichkeit. Einmal hatte er alle Zeit der Welt und ließ sich den Ball auf dem Weg allein zum Tor noch von John Terry abjagen. Ein anderes Mal versuchte er sich mit mäßigem Erfolg an einem Seitfallzieher. Nachdem Balotelli auch die nächste Chance verwurschtelt hatte, trat er wütend gegen den Pfosten. Immerhin den traf er.

Die Engländer traten insgesamt ein wenig verhaltener auf, aber in der ersten Halbzeit, als sie noch ein paar Mal vor das Tor kamen, wurde es auch mal gefährlich. Meist hatte dabei Wayne Rooney einen Fuß oder seinen Kopf im Spiel. Einen Kopfball setzte er nur ganz knapp über die Latte, ein anderes Mal spielte er hinter dem Standbein Doppelpass mit seinem Klubkollegen Danny Welbeck. Aber der schoss aus schönster Position einen Meter über das Tor.

Mit zunehmender Zeit häuften sich vor allem auf englischer Seite die Fehler. Einen davon hätte De Rossi zur Beginn der zweiten Halbzeit beinahe zur Führung genutzt, als er nach Marchisos Kopfballvorlage ganz allein vor dem Tor stand und diese riesige Chance unkonzentriert verschluderte. Danach schoss erst Balotelli aus Nahdistanz direkt auf Hart, den Abpraller jagte Riccardo Montolivo übers Tor.

Italiens Überlegenheit wurde immer drückender. England fand in der Offensive kaum noch statt und spielte so italienisch, wie die Italiener schon lange nicht mehr spielen – mit zwei Viererketten tief vor dem eigenen Tor. Von Rooney war gar nichts mehr zu sehen.

Auch in der Verlängerung dominierte Italien, aber es reichte nur zu einem zweiten Pfostenschuss, eher versehentlich, denn Diamanti hatte wohl flanken wollen. Der eingewechselte Antonio Nocerino hatte danach Pech, als er bei seinem Kopfballtor ganz knapp im Abseits stand. Dann kam das Elfmeterschießen. England lag nach Montolivos Fehlschuss sogar vorn, aber Young traf nur die Latte und Cole scheiterte an Buffon. Und dann kam der große Augenblick des Alessandro Diamanti.

Im Elfmeterschießen lag England zunächst sogar vorn

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