Sport : Alles wird anders

Hanspeter Detmer

Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft hat die Vorgabe erfüllt, die es nie gegeben hat. Natürlich hat niemand verlangt, dass die Mannschaft die Weltmeisterschaft gewinnen müsse, obwohl sie als Favorit nach Kuala Lumpur gereist war. Aber schön wäre es natürlich schon. Es ist schön. 2:1 siegte die Mannschaft von Bundestrainer Bernhard Peters im Finale gegen Australien. Zehn Jahre nach dem Gewinn der olympischen Goldmedaille feiert der Deutsche Hockey-Bund (DHB) den nächsten großen internationalen Erfolg.

Zweimal - 1972 und 1992 - waren die Männer Olympiasieger. Doch der DHB hat die Erfolge kaum genutzt, um Hockey einen höheren Wert in der Gunst des Publikums, bei den Medien und bei Sponsoren zu verschaffen. Apollinaris, der Hauptsponsor, hatte schon vor der WM angekündigt, seinen Vertrag am Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen. "Jetzt wird alles anders", kündigte der DHB-Präsident Christoph Wüterich nach dem ersten WM-Titel an.

Ende August/Anfang September wird der DHB in Köln die Champions Trophy präsentieren, Anfang des nächsten Jahres findet in Leipzig die erste Hallenhockey-Weltmeisterschaft statt, und schließlich bemüht sich der DHB auch noch um die nächste Feldhockey-WM im Jahr 2006. Als Austragungsort ist Mönchengladbach vorgesehen, wo bereits in wenigen Wochen der Bau einer 10Millionen Euro teuren nationalen Hockeyarena beginnen soll. Das Stadion wird fast 15 000 Zuschauern Platz bieten. Schon das zeigt, dass sich der Hockeysport hier zu Lande nicht mehr mit einer bescheidenen Nebenrolle zufrieden geben will. Wenn die Nachfrage nicht da ist, wird einfach das Angebot vergrößert.

Zäsur nach Sydney

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte, die jetzt zum ersten WM-Gewinn führte, mit einer bitteren Niederlage. Bei den olympischen Spielen in Sydney unterlagen die favorisierten Deutschen Großbritannien. Statt der erhofften Medaille wurde es nur Platz fünf. Danach machte das neue DHB-Präsidium eine Zäsur. Der DHB trennte sich von Paul Lissek und übertrug dessen Kotrainer Bernhard Peters die Verantwortung. Die Art dieser Personalentscheidung rief viel Kritik hervor. Doch das ist jetzt vergessen. Seit Januar 2001 hat Bernhard Peters das Sagen. Von diesem Zeitpunkt an legte das DHB-Team eine berauschende Serie hin: Der Gewinn der Weltmeisterschaft war der 41. Erfolg im 45. Spiel unter seiner Regie. "Aber am wichtigsten war die dritte von drei Niederlagen", sagt Peters selbst. Das ernüchternde 2:3 gegen Spanien in der Vorrunde führte den Spielern vor Augen, dass der Erfolg nicht von alleine kommt.

Der angeknackste Glücksschläger

Natürlich ist immer auch ein bisschen Glück dabei. Und auch Aberglaube. Kurz vor der Halbzeitpause des Finales gegen Australien erzielte Florian Kunz den wichtigen Ausgleich für das deutsche Team. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hatte sich im Laufe des Turniers seinen alten Glücksschläger von seiner Freundin aus Mönchengladbach mitbringen lassen. Mit eben diesem Schläger hatte Kunz im vergangenen Jahr Strafecken en masse verwandelt. Weil er jedoch leicht angeknackst war, hatte Kunz ihn vor dem Turnier bereits aussortiert. Mit dem neuen Schläger lief es jedoch anfangs nicht so richtig. "Dieser Schläger wird bei mir zu Hause einen Ehrenplatz bekommen", sagte Kunz. Was das für die Fortsetzung seiner Karriere bedeutet, weiß der 30-Jährige selbst noch nicht: "Wenn mein Erfolgsschläger jetzt an die Wand gehängt wird, muss ich ja wohl auch meine internationale Karriere an den Nagel hängen."

Definitiv Schluss macht Christian Mayerhöfer. Der Rekordnationalspieler avancierte zum erfolgreichsten deutschen Hockeyspieler aller Zeiten. Mayerhöfer ist der Einzige, der alle internationalen Titel gewann: Er war 1992 Olympiasieger, 1995 und 99 Europameister, mehrmals Champions-Trophy-Gewinner - und nun Weltmeister.

Ausschlaggebend für diesen Erfolg war vor allem die perfekte Teamarbeit. Dem großen Ganzen ordnete sich in Kuala Lumpur auch ein bekennender Individualist wie Oliver Domke unter. Vor vier Jahren war er mit seinen sieben Toren noch zum besten Spieler des WM-Turniers gewählt worden, in Kuala Lumpur stach er zunächst nicht durch Sololeistungen hervor. Am Ende aber gelang ihm der entscheidende Treffer. Der spektakulärste deutsche Torschütze der letzten Jahre machte seine Mannschaft ausgerechnet mit einem Abstaubertor zum Weltmeister. "Die Auszeichnung vor vier Jahren war ehrenvoll", sagte Oliver Domke. "Lieber ist mir aber der Gewinn des Weltmeistertitels, zu dem ich meinen bescheidenen Anteil beigetragen habe."

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