Sport : Allianz gegen Armstrong

Bei der Tour de France greifen viele Teams den Favoriten an – und helfen sich so gegenseitig

Mathias Klappenbach

Berlin - Alleine kann man ihn nicht besiegen. Das haben die Mannschaften in den vergangenen sechs Jahren gelernt, als Lance Armstrong sie in den entscheidenden Momenten der Tour de France abhängte. Alleine hieß, dass es in den meisten Teams nur einen Fahrer gab, dem der Gesamtsieg zugetraut wurde und der von seiner Mannschaft unterstützt wurde. Diese Fahrer bekamen aber selten die Chance, Armstrong anzugreifen, weil der auch bei den schwierigsten Bergetappen bis wenige Kilometer vor dem Ziel noch einen Helfer bei sich hatte und so Kraft sparen konnte. Alle hofften darauf, dass Armstrong eine unverhoffte Schwäche zeigte, aber dazu kam es nie.

In diesem Jahr, bei Armstrongs letzter Tour, wollen die Spitzenteams nicht mehr hoffen. Sie wollen die Discovery-Channel-Mannschaft des Favoriten frühzeitig unter Druck setzen. Die Teams haben, jedes für sich, ihre Taktik geändert – sie haben nun mehrere Spitzenfahrer, die attackieren. In der Summe ergibt das eine unabgesprochene, aber starke Allianz gegen Lance Armstrong.

„Wir können nicht alle Attacken abwehren“, sagte Armstrong nach der nur mittelschweren Etappe am Samstag, bei der er am letzten Anstieg ohne Helfer zwischen 30 Fahrern isoliert war. Von T-Mobile hatten mit Alexander Winokurow und Andreas Klöden gleich zwei Fahrer angegriffen. „Ich habe gelitten“, sagte Armstrong. Der Amerikaner konzentrierte sich auf Jan Ullrich und Winokurow, dessen Angriffe er konterte. Dem Antritt von Klöden setzte er nicht mehr nach.

Und wenn Ivan Basso oder Carlos Sastre vom Team CSC noch aus dem Feld herausgefahren wären? Oder Floyd Landis und Santiago Botero von der Phonak-Mannschaft? Auch Gerolsteiner hat in Levi Leipheimer und Georg Totschnig zwei Fahrer, die schon unter den Top Ten der Tour waren. Und in den Bergen werden die Euskaltel-Fahrer Haimar Zubeldia und Iban Mayo angreifen.

T-Mobile versucht schon länger, Armstrong mit mehr als einem Fahrer zu attackieren. Neu in diesem Jahr ist, dass andere Teams das auch tun. Zwar gibt es auch hier Kapitäne, aber in den Teams ist jederzeit ein Rollenwechsel denkbar, wie bei T-Mobile zwischen Winokurow und Ullrich. Nur Discovery Channel konzentriert sich auf Armstrong, den Chef.

„Wir hatten einen schlechten Tag“, sagte George Hincapie am Samstag. Armstrongs wichtigster Helfer war früh auf der Etappe Jens Voigt vom CSC-Team hinterhergefahren, später konnte er vorn nicht mehr mithalten. Am Sonntag beschränkte sich Discovery Channel darauf, den Abstand auf den wieder ausgerissenen Voigt nicht zu groß werden zu lassen. „Ich bin froh, das Gelbe Trikot los zu sein“, sagte Armstrong im Ziel.

Heute, mit der ersten Etappe in den Alpen und der ersten Bergankunft, beginnt die Tour noch einmal neu. Nur dreimal ist in diesem Jahr der Gipfel eines Berges auch gleichzeitig das Ziel. An diesen Tagen versuchen die Favoriten zumeist, entscheidende Zeitabstände zu schaffen. In den vergangenen Jahren hat Armstrong auf diesen Etappen immer gezeigt, wer der Chef im Feld ist. Da wurden er und seine Helfer allerdings nicht von allen Seiten gleichzeitig angegriffen.

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