Sport : Alltag unter Denkmalschutz

Sven Simon

Das Leben besteht - auch im Sport - aus Alltag, aufgehellt durch gelegentliche Höhepunkte. So einen Höhepunkt hatte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft im Sommer bei der Europameisterschaft in der Türkei: Begeisternder Sport, überraschende Siege gegen Topteams Europas - und alles live im Fernsehen. Am Ende reichte es zu Platz vier, für das Ticket zur Weltmeisterschaft in Indianapolis im nächsten Jahr. Nun müssen sich Bundestrainer Henrik Dettmann und seine Spieler für den Alltag motivieren. Der hieß am Mittwoch Qualifikation für die Europameisterschaft 2003 gegen Irland. Deutschland gewann 85:77. Nicht überraschend, selten begeisternd, und die einzige Fernsehkamera in der Göttinger Lok-Halle gehörte dem norddeutschen Regionalfernsehen N 3.

Dem Bundestrainer fehlten nicht nur Dirk Nowitzki und Shawn Bradley von den Dallas Mavericks. Mithat Demirel vom Meister Alba Berlin ist verletzt, sein Teamkollege Stefano Garris spielt wie Robert Garrett aus Würzburg keine überzeugende Saison. Dafür rackert der frühere Nationalmannschaftskapitän Hendrik Rödl nach drei Jahren Pause wieder für die Nationalmannschaft. "Der Erfolg bei der EM hat mich schon motiviert", sagt der 32-jährige Europameister von 1993. "Aber den Wunsch zu spielen hatte ich schon vorher." Der Bundestrainer war zufrieden. "Einstellung und Defense sind bei Rödl immer in Ordnung", lobte Dettmann. "Wenn er mehr Bindung zum Team hat, wird er uns noch mehr helfen."

Mit Rödl, Pascal Roller (Frankfurt) und Hurl Beechum (Bonn) standen drei neue Spieler in der ersten Fünf. "Das ist zurzeit die bestmögliche deutsche Mannschaft", sagt Dettmann. Und diese Mannschaft spielte sehr selbstbewusst vor 3500 Zuschauern. Von den Leistungsträgern Ademola Okulaja (17 Punkte, Barcelona) und Center Patrick Femerling (18, Piräus) wird das erwartet. Aber auch die Rollenspieler der EM wagten den Blick zum Korb. In der Türkei waren Stephen Arigbabu und Marvin Willoughby in Kurzeinsätzen nur Passstation gewesen, nun wollen sie zeigen, was sie alles können. Im zweiten Viertel kontrollierte das deutsche Team die zweitklassigen Iren, die Spieler versuchten, ein wenig zu zaubern. Mit gemischtem Erfolg.

Das starke Selbstbewusstsein seiner Spieler führt Dettmann auf die Erfolge des Sommers zurück: Siege machen die Brust breit. Die negative Steigerung davon ist die Überheblichkeit. Das zeigten die deutschen Spieler in der zweiten Hälfte. Sie verteidigten schlecht und die wurfstarken Iren verkürzten, angeführt von Mike Mitchell, Amerikaner mit irischem Pass, der in Gießen spielt. Immer wieder narrte Mitchell seinen Bewacher, der meistens Okulaja hieß. "Über die Verteidigungsleistung müssen wir noch mal reden, sagte Dettmann später. Acht von dreizehn Dreiern trafen die Iren in der zweiten Hälfte.

Fünf Minuten vor Ende betrug der Vorsprung noch fünf Punkte. Dann schied Mitchell mit fünf Fouls aus, und die Deutschen kamen zum erwarteten Sieg. Morgen tritt das deutsche Team gegen Zypern an, am Mittwoch in Dortmund gegen Bosnien-Herzegowina. Mazedonien und Kroatien komplettieren die Gruppe. Nach Hin- und Rückspiel qualifizieren sich die beiden ersten Teams, zusätzlich die besten vier Drittplatzierten der fünf Gruppen.

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